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Dr. Werner Schwartz

Diakonie und Staat – wechselseitige Wünsche und Forderungen

Einige thesenhafte Überlegungen aus Anlass eines Gesprächsabends der EvangelischenAkademikerschaft Pfalz am 5. November 2012 in Ludwigshafen Dr. Werner SchwartzHilgardstraße 9, 67346 Speyer Diakonie und Staat haben wechselseitige Erwartungen, Wünsche und Forderungen. Der Staat aufseinen unterschiedlichen Ebenen: von der Kommune bis zu Europa, erwartet etwas von der Diakonie,in unserem Land zumindest. Und die Diakonie erwartet etwas vom Staat. Reizvoll wäre es, dasThemenfeld um die Kirche zu erweitern, also zu fragen, wie die Diakonie in ihren eigenen Erwartungenund denen, die an sie gerichtet sind, zwischen Staat und Kirche steht. Aber dies ist nicht Gegenstanddieser Überlegungen. In ihnen geht es um die Wünsche und Forderungen, die Staat und Diakonieaneinander richten. Ich wähle den langen Anlaufweg zu diesem Thema, den über die Geschichte, weil auf diesemHintergrund deutlich werden kann, wie sich die spezifischen Erwartungen in Mitteleuropa und – genauer – in Deutschland aufgebaut haben. 1. Die Anfänge der Diakonie – 1. bis 16. Jahrhundert Diakonie begann in der frühen christlichen Gemeinde als Hilfe für bedürftige Gemeindeglieder. DieSorge für Witwen und Waisen und die Armen der Gemeinde war Christenaufgabe. Die Gemeindesetzte darin die jüdische Barmherzigkeitskultur fort. Die rasante Ausbreitung des christlichen Glaubensin den ersten drei Jahrhunderten hängt wohl mit der Attraktivität dieser gelebten Nächstenliebezusammen. Als im 4. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion wurde, übertrug der byzantinische StaatAufgaben der Sozialfürsorge auf die Kirchen und die Bischöfe. Sie hatten etwa Notvorräte fürHungerszeiten und eine Versorgung der Kranken zu gewährleisten. Im Zug der Ausbildung desMönchswesens übernahmen zunehmend Klöster diese Aufgaben, später trat auch der Adel teilweise indiese Verpflichtung ein. Mit der Entstehung des Bürgertums im ausgehenden Mittelalter und der Entwicklung einesentsprechenden Selbstbewusstseins sahen die Magistrate der Städte die Armen- und Krankenfürsorgeals ihre Verpflichtung, die sie zumindest für die ortsansässige Bevölkerung regelten. Die Reformationunterstützte diese Rollenverteilung; Sozialfürsorge blieb staatliche Aufgabe, eine kirchliche Diakonieentstand allenfalls rudimentär in der reformierten Tradition, vornehmlich in den Niederlanden. 2. Der neue Aufbruch der Diakonie – 17. bis 19. Jahrhundert Im Pietismus des 17. und 18. Jahrhunderts und verstärkt in den Erweckungsbewegungen des 19.Jahrhunderts wurde die inzwischen weithin erfolgte Reduktion kirchlicher Tätigkeit auf die kulturelleSeite des Glaubens zunehmend in Frage gestellt. Die Kraft des Glaubens zur Tat wurde neu entdeckt.Erste Liebeswerke entstanden, etwa in Halle die Franckeschen Stiftungen seit 1695. Über einJahrhundert später führten die Wirren der napoleonischen Kriege und die tiefgreifenden Umwälzungender industriellen Revolution mit einer sozialen Verelendung breiter Bevölkerungskreise verstärkt zueiner Neubesinnung auf die Notwendigkeit tätiger Nächstenliebe. Einzelne Christen schlossen sichzusammen, auf der Basis bürgerschaftlichen Vereinswesen entstanden die konfessionellenSozialeinrichtungen. Das Rettungshaus von Christian Heinrich Zeller in Beuggen, der Lutherhof von Johannes Falk inWeimar, der Weibliche Verein für Armen- und Krankenpflege von Amalie Sieveking in Hamburg, dasRauhe Haus von Johann Hinrich Wichern dort, das Diakonissenmutterhaus von Theodor Fliedner inKaiserswerth gehören zu den ersten Einrichtungen. Die Stegreifrede Wicherns beim WittenbergerKirchentag („Die Liebe gehört mir wie der Glaube“) war ein landesweites Fanal, sie führte zur Gründungdes Central-Ausschusses für Innere Mission und zu einer großen Zahl weiterer Gründungen vonKrankenhäusern, Kinder-, Jugend- und Behinderteneinrichtungen, Herbergen für Nichtsesshafte usw.Neben diesen diakonischen Initiativen entstanden freilich bald auch rein humanitär motivierteEinrichtungen und solche aus der Arbeiterbewegung. 3. Konsolidierung und Infragestellung der Diakonie – 1. Hälfte 20. Jahrhundert Im Kaiserreich entwickelte sich bereits in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts der SozialstaatBismarckscher Prägung, wesentlich veranlasst durch die Angst vor der Bedrohung durch denSozialismus. In den Krisenzeiten im Ersten Weltkrieg wurden die in den Jahrzehnten zuvorentstandenen Einrichtungen in freier Trägerschaft in das Konzept der staatlichen Daseinsfürsorgeeinbezogen und mit erheblichen Mitteln bezuschusst. Anders als beim Reich war bei den freien Trägernwie allenfalls noch bei den Kommunen eine Infrastruktur vorhanden, die eine effiziente Sozialarbeitmöglich machte. Die Diakonie ordnete sich in das System ein und spielte dort ihre Rolle, Leistungender Sozialfürsorge anzubieten.[1] Dieser Prozess setzte sich in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg fort. Der Staat übernahm inkrisenhaften Zeiten zunehmend die Rolle der Daseinssicherung mithilfe des inzwischen aufgebautenRenten- und Krankenversicherungssystems und zusätzlich eingesetzter Steuermittel. Er bediente sichdabei neben den kommunalen Institutionen der etablierten Sozialverbände der Freien Wohlfahrtspflege,die er durch Mittelzuweisung in die Lage versetzte, ihre Aufgabe zu erfüllen. Es etablierte sich einSystem von Hilfe durch Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Paritätischen Wohlfahrtsverband undRotes Kreuz neben einigen kleineren Anbietern. Auf der Basis voneinander partiell unterschiedenerweltanschaulicher und religiöser Motivationen und Zielvorstellungen sorgten diese Einrichtungenzusammen mit den Kommunen für eine flächendeckende Organisation staatlicher Hilfeleistungen. DerWohlfahrtsstaat deutscher Prägung mit dem Zusammenspiel staatlicher und freigemeinnützigerEinrichtungen entstand. Im nationalsozialistischen Staat allerdings übernahm zunehmend der Staat die Steuerung desSozialwesens durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, andere traditionelle Anbieter wurdengleichgeschaltet oder suchten sich in einer Nische zu behaupten. 4.…

Seelsorge in der „Roten Zone“ 1938-1945 und in den Evakuierungsgebieten 1939 und 1940

Frank Matthias Hofmann Am Ludwigsplatz 11, 66117 Saarbrücken Christine Lauer Am Ludwigsplatz 11, 66117 Saarbrücken In Erinnerung an die 75. Wiederkehr der Evakuierung der (saar-)pfälzischen Grenzgebiete1939 „Wir sind eine Gemeinschaft des gleichen Schicksals, die Trennung von daheim ist ein Eingriff ins Seelenleben, das für immer seine Spur hinterlässt“ (Theophil Blitt). Historische Einordnung [2] Die Grenzlandlage zu Frankreich hin war mit verantwortlich dafür, dass vonseiten der Pfälzer, derenGebiet bis 1930 von Frankreich besetzt war, weder die Wiedereinführung der Wehrpflicht im„Deutschen Reich“ noch der Einmarsch der Wehrmacht in das entmilitarisierte Rheinland und in diePfalz 1936 und dann auch in Österreich 1938 kritisiert wurden. Separatismus, französischeBesatzung und ungesicherte Grenzen prägten den Kontext der Grenzbevölkerung. Auch vonseiten der Pfälzischen Landeskirche gab es keine kritischen Bemerkungen zurWiederaufrüstung Deutschlands. Dabei spielte auch kirchlicherseits die Nähe zum „Erbfeind“ Frankreich und die Grenzlandsituation eine entscheidende Rolle: Die ethnischen Säuberungen inElsass-Lothringen waren für die Betroffenen, insbesondere Protestanten, traumatische Erfahrungen.Den Einmarsch ins Rheinland feierte Landesbischof Diehl mit pathetischen Worten: „Wir […] dankenaus übervollem Herzen dem ewigen Gott, dass er dieses Wunder vor unseren Augen dem Führer hatgelingen lassen.“ [3] Der militärische Aufbau westlich des Rheins ab 1936 wurde also allgemein alsrichtig und militärisch nachvollziehbar angesehen. Es war eine spezifische Herausforderung an kirchliche Seelsorge, für Menschen da zu sein, die inKriegszeiten an der geographischen Grenze lebten und an ihre körperlichen und seelischen Grenzengestoßen sind. Diese „Bearbeitung der Erfahrung der Grenze oder von Grenzen“ ist die „Mitte derPraktischen Theologie…Ihre Mitte ist die Grenze.“ [4] Wie kirchliche Seelsorge sich dieserHerausforderung in der NS-Zeit gestellt hat, ansatzweise aufzuzeigen und zu weiterer Erforschungdieses bisher unbearbeiteten Themas anzuregen, ist Aufgabenstellung unseres Beitrages. 1. „Seelsorge in der NS-Zeit“ – Anriss einiger Grundfragen und Eingrenzung des Themas…

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