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Dr. Karlheinz Lipp
Friedrich-Wilhelm-Straße 42, 12103 Berlin

 

 

Juan Luis Vives – ein Humanist der Renaissance gegen Folter und Krieg

 

Juan Luis Vives (1492 Valencia – 1540 Brügge), ein Schüler des Erasmus von Rotterdam (ca. 1466-1536) lehnte als erster Europäer die Folter grundsätzlich ab und kritisierte den Krieg in einer Zeit permanenter militärischer Auseinandersetzungen. Die politische Entwicklung in Spanien betraf Vives' Familie ganz konkret sowie existenziell und beeinflusste maßgeblich das ethische Denken dieses Humanisten der Renaissance.

 

 

1492: Vives' Geburtsjahr als Epochenjahr

 

Bevor die spanischen Konquistadoren über den Atlantik nach Lateinamerika aufbrachen, um dort indigene Kulturen niederzuwerfen und auszubeuten, kam es bereits auf der Iberischen Halbinsel zu drastischen Übergriffen auf nichtchristliche Kulturen. Vives' Geburtsjahr 1492 bedeutete für die jüdische und muslimische Bevölkerung Spaniens einen tiefen und grundlegenden Einschnitt.

 

Mit der Eroberung Cordobas (1236), Valencias (1238) und Sevillas (1248) endete die christliche Reconquista erfolgreich. Lediglich das Nasridenreich mit der Hauptstadt Granada bildete ein letztes muslimisches Refugium. Nach der Heirat der spanischen Könige Isabella von Kastilien (1451-1504) und Ferdinand II. von Aragon (1452-1516) im Jahre 1469 und der spanischen Einigung von 1479 begann 1482 der Kreuzzug gegen die Nasriden. Mit dem Machtantritt des Königspaares einher ging die Vernichtung der maurischen und jüdischen Kultur, die mehrere Jahrhunderte die Iberische Halbinsel prägten.

 

Am 2. Januar 1492 erfolgte die Einnahme Granadas. Gab es zunächst günstige Bedingungen für die Kapitulation der Muslime, so erfolgte von 1502 bis 1526 mit brutaler Härte eine Zwangsbekehrung muslimischer Menschen. Noch folgenschwerer traf der Erfolg von Granada die jüdische Bevölkerung. Bereits 1391 kam es im christlichen Spanien zu Pogromen, 1478 erfolgte die Gründung der spanischen Inquisition. Das spanische Königspaar erließ am 31. März 1492 ein Vertreibungsedikt, welches besagte, dass die jüdische Bevölkerung bis zum 31. Juli des Jahres Spanien zu verlassen habe. Erst am 1. April 1992 besuchte König Juan Charlos die Synagoge von Madrid, setzte das Vertreibungsedikt außer Kraft und entschuldigte sich für die Barbarei am spanischen Judentum.

 

 

Die Verfolgung des spanischen Judentums

 

Der  Inquisition kam bei der Verfolgung des Judentums eine große Rolle zu. Dieses Instrument richtete sich nicht nur gegen ketzerische Bewegungen innerhalb des Christentums, sondern auch gegen Neuchristen mit jüdischer Herkunft bei denen vermutet wurde, dass diese nur zum Schein zum Christentum konvertiert seien. Erstmals konstituierte sich die Inquisition 1480 in Sevilla, und als Großinquisitor fungierte Thomas von Torquemada (1420-1498), der Beichtvater des Königspaares.

 

Der verbreitete Antijudaismus stempelte die jüdische Bevölkerung zu Sündenböcken für sozio-ökonomische Krisen und führte zu einer strikten Trennung: 1481 verfügte die spanische Krone, dass jüdische Menschen nur noch in Ghettos wohnen mussten. Mitunter kam es zur vollständigen Auslöschung der Judenviertel. Überlebende wurden zwangsweise getauft – und viele Konvertiten praktizierten weiterhin heimlich ihre jüdischen Riten.

 

Die Inquisition folterte die Konvertiten. Sollten diese keine „Reue“ zeigen, so endeten diese Menschen auf dem Scheiterhaufen – wie der Vater von Juan Luis Vives. Die Verbrennungen fanden vor den Augen der Öffentlichkeit statt und galten als gottgefällige Aktionen. Sollten angebliche „Zeugen“, die oft genug bestochen waren, aussagen, dass Getaufte jüdische Riten vollzogen haben, so wurden auch die Gebeine vom christlichen Friedhof entfernt und posthum verbrannt – so im Falle der Mutter von Juan Luis Vives. Nachkommen der Verurteilten brandmarkte die christliche Gesellschaft als „Untaugliche“, ein sozialer Aufstieg dieser Menschen erwies sich als unrealistisch. Das letzte Inquisitionsverfahren fand in Cordoba 1818 statt. Zwei Jahre später wurden in mehreren spanischen Städten die Paläste der Inquisition gestürmt und die Archive geplündert. 1834 beendete das Aufhebungsedikt den Terror der dreieinhalb Jahrhunderte andauernden Inquisition.

 

 

Valencia und die Familie Vives als Opfer der Inquisition

 

Seit dem 11. Jahrhundert existierte in Valencia eine jüdische Gemeinde im östlichen Stadtteil La Xerea. Ab 1390 wurde um das jüdische Viertel eine große Mauer errichtet. Die Pogrome im mittelalterlichen Spanien von 1391 reduzierten die Zahl der jüdischen Bevölkerung, auch in Valencia. Juden durften nur noch zur Erledigung ihrer Geschäfte die Stadt an der Ostküste Spaniens betreten. Im jüdischen Viertel wurde Juan Luis Vives 1492 geboren und erfuhr vermutlich seine kulturelle Prägung auch durch die Errungenschaften der muslimischen Kultur in der Medizin, der Verwaltung und Jurisprudenz.

 

Ein Großteil von Vives' Familie ließ sich taufen, um den Verfolgungen zu entgehen. Die Inquisition observierte diese Personen, die ihren jüdischen Glauben heimlich weiterhin praktizierten. Nahe Verwandte von Juan Luis Vives wurden aufgespürt und hingerichtet. Daher musste bereits der neunjährige Juan Luis Prozesse und Verbrennungen aus seinem unmittelbaren Lebenshorizont erlebt haben. Vives' Eltern flüchteten bis 1502/03 nach Elche (Südspanien). Diese Flucht gewährte ihnen eine Atempause – mehr aber nicht.

 

Die Eltern, die Mutter Blanquina March y Almenara (1473-1508) und der Vater Luis Vives y Valeriola (1463-1524) gehörten der gebildeten Oberschicht Valencias an. Der Vater arbeitete als Tuchhändler und entstammte einer getauften jüdischen Familie. Bereits im Alter von 16 Jahren bekam er erste Schwierigkeiten mit der Inquisition. Ein Prozess von 1522 bis 1524 endete mit der Verurteilung durch Verbrennung. Die Mutter starb durch die Pest. Zwanzig Jahre nach ihrem Tod kam es zu einem Prozess – es ging dabei um die Beschlagnahmung der Besitztümer der Familie Vives. Hier zeigte es sich, dass die Inquisition auch handfeste ökonomische Interessen verfolgte. Um der Bedrohung durch die Inquisition zu entgehen, emigrierte Juan Luis Vives Ende 1509 im Alter von 17 Jahren – er sollte Valencia und Spanien nie mehr wiedersehen.

 

Nach den ersten Studienjahren an der Universität Valencia setzte Vives seine Studien in Paris von 1509 bis 1512 fort. An dieser Universität arbeiteten Professoren und Studierende aus Spanien. Früh und äußerst distanziert registrierte Vives den Nationalismus von spanischen und französischen Mitgliedern der Hochschule. Als neuen Aufenthaltsort wählte Vives das flandrische Brügge, das seit 1492 zu einem Zufluchtsort spanischer Flüchtlinge geworden war. Dort heiratete er 1524 Margarita Valdaura (1505-1552), die einer jüdischen Kaufmannsfamilie, ebenfalls aus Valencia, entstammte. Intellektuell prägte ihn die Begegnung mit Erasmus von Rotterdam, einem führenden Humanisten seiner Zeit. In Löwen, einer Nachbarstadt Brügges, nahm Vives von 1517 bis 1521 seine erste Lehrtätigkeit wahr.

 

Durch die Fürsprache des Humanisten Thomas Morus (1477-1535) gelangte Vives nach England, wo er von 1523 bis 1528 u.a. in Oxford lehrte und in engem Kontakt zum Königshaus stand. Das zunächst positive Verhältnis zum König Heinrich VIII. änderte sich 1527. Vives sprach sich gegen die Scheidung des englischen Königs von Katharina von Aragon aus – und ergriff Partei für die Königin. Daraufhin verlor der Humanist die Unterstützung durch Heinrich VIII. und musste die Insel verlassen. Nach seiner Rückkehr lebte Vives überwiegend in Brügge – unterstützt durch eine bescheidene Rente von Kaiser Karl V.

 

 

Gegen die Folter

 

Die Verfolgung und der Tod von Vives' Familie sowie die Judenverfolgung durch die spanische Inquisition forcierten die Kritik an der Folter und deren Abschaffung. Vives lehnte als erster Europäer die Folter grundsätzlich ab.

Eine Aufgabe der Humanisten der Renaissance bestand in der Herausgabe der Schriften antiker Denker und Kirchenväter. So beauftragte Erasmus seinen Schüler Juan Luis Vives, Augustins De Civitate Dei zu edieren und kritisch zu reflektieren. Im Kommentar zu diesem Werk Augustins formulierte Vives 1522 seine dezidierte Kritik an der Folter. Folgende Aspekte gegen die Folter erschienen Vives besonders wichtig:

 

- Erzwungene und mit Qualen erfolgte Geständnisse hätten keine juristische Beweiskraft, damit sei die Folter nutz- und wertlos.

- Folter sei ein Ausdruck von blankem Sadismus der Folterknechte, daher müsse sie abgeschafft werden.

- Die Folter gehöre zu den Sitten des Heidentums und verstoße gegen die christliche Nächstenliebe.

- Unter der Folter würden fiktive Taten bereitwillig gestanden, um die brutalen Qualen möglichst schnell zu beenden.

- Die Misshandlung von potenziell Unschuldigen durch die Folter sei unmenschlich.

 

Vives blieb nicht allein bei seiner grundlegenden Ablehnung der Folter. Ihm schlossen sich in den nachfolgenden Jahrhunderten der Jurist und Philosoph Michel de Montaigne, der niederländische Geistliche Johannes Gervinus, der Straßburger Theologe Jakob Schaller sowie der Jurist Martin Bernhardi an.

 

 

Gegen den Krieg

 

Wichtige historische Kriege und Spannungen der 1520er Jahre beeinflussten Vives' Schriften zu Frieden und Krieg: Die Spaltung der Christenheit durch die Reformation, der Bauernkrieg (1524-26), der Krieg der katholischen Großmächte Spanien und Frankreich gegeneinander (1521-26) sowie das Vordringen des Osmanischen Reiches nach Mitteleuropa unter Sultan Suleyman II. Die große Blüte der Monarchie Spaniens, Vives' Heimat, resultierte aus Kriegen. Daher ist es umso bemerkenswerter, dass sich Vives der Kriegsbegeisterung entzog – und sich für den Frieden einsetzte.

 

Von 1522 bis 1526 publizierte Vives Briefe und kleinere Werke über die Friedensthematik, seine wichtigsten Veröffentlichungen De Concordia et discordia in humano genere sowie De pacificatione erschienen beide 1529. In einem Brief von 1522 an den Papst Hadrian VI., dem Vives bereits als Adrian von Utrecht persönlich begegnet war, formulierte der Humanist zwei wichtige Aspekte für das Wirken des Papstes: die Waffenruhe zwischen den weltlichen Herrschern sowie eine Beendigung der Konflikte zwischen Privatpersonen. Vives kritisierte die Grausamkeiten der Kriege, insbesondere die Politik der verbrannten Erde und die Rechtfertigung von Kriegen durch Hoftheologen. Um die Konflikte zwischen Privatpersonen vor dem Hintergrund der Kirchenspaltung und deren Auswirkungen auf breite Teile der Gesellschaft zu zivilisieren, forderte Vives vom Papst eine baldige Einberufung eines Konzils.

 

In zwei Briefen aus dem Jahr 1525 an den englischen König Heinrich VIII. erläuterte Vives seine friedensethische Konzeption. Kriege führen zur Zerstörung von Häusern und religiösen Stätten, der Brandschatzung ganzer Städte, der Entführung von Frauen, der Verwilderung von Menschen sowie zu exorbitanten finanziellen Belastungen. Demgegenüber sei der Frieden eine wichtige Grundlage des Wohlstandes und der Gerechtigkeit. Bevor Fürsten einen Krieg beginnen, sollte unbedingt eine intensive Phase des Nachdenkens für gewaltfreie Lösungen von Konflikten einsetzen – denn ein ungerechter Friede soll einem Krieg vorgezogen werden. Selbst nach anfänglichen Kriegserfolgen sei die Durchführung eines Krieges auch von Siegern bereut worden. Der Friede sei jedoch noch nie bedauert worden.

 

Nach dem Sieg des Osmanischen Reiches in der Schlacht von Mohács (1526) behandelte Vives die Friedensthematik in einem Dialog über den Dissens in Europa und den Krieg gegen die Türken, der in der Unterwelt spielt, erneut. Dieses Zwiegespräch beginnt mit dem Hinweis, dass viele Seelen wie Hagelkörner in die Hölle fallen. Anschließend kritisiert Vives das Erscheinungsbild des Christentums, welches durch Zwietracht und Hass geprägt sei. Besondere Aufmerksamkeit schenkt der Humanist der historischen Entstehung europäisch-christlicher Bruderkriege seit 1421 (Eroberung Neapels durch das Königreich Aragon) vor dem Hintergrund der zunehmenden türkischen Offensive (Eroberung Konstantinopels 1453). Vives wendet sich gegen Bündnisse von christlichen Königen (wie z. B. Franz I.) mit osmanischen Herrschern und verurteilt die große Uneinigkeit unter christlichen Staaten, die den Aufstieg des Osmanischen Reiches sehr begünstigt hätten. Ferner lehnt er die nicht selten anzutreffende Position von Zeitgenossen ab, wonach ein Leben unter türkischer Herrschaft besser und vorzuziehen sei als unter der Herrschaft eines anderen christlichen Königs.

 

Vor allem zwei Ursachen für die Kriegslust christlicher Staatsmänner analysiert und kritisiert Vives. So würde der Krieg von Herrschern als Alternative zum Müßiggang angesehen. Der Humanist fordert ein Ende dieser Perspektive und verlangt von Königen und Fürsten, dass sie auf kluge Ratgeber hören, die Alternativen zu militärischen Auseinandersetzungen empfehlen. Die Ruhmsucht, Ehrbegriffe sowie der falsche Ehrgeiz von Regenten und die damit verbundene Vergrößerung des eigenen Territoriums bedeuten für Vives eine zweite Ursache für Kriege. Die christlichen Könige sollten ihre Rivalitäten beenden und das Osmanische Großreich besiegen – möglichst auf asiatischem Boden. Vives verurteilt in seiner Schrift den Einsatz der Bombarden (Pulvergeschütze), eine Massenvernichtungswaffe des frühen 16. Jahrhunderts als neue waffentechnische Etappe der Kriegsgrausamkeiten.

 

Im Juli 1529, kurz vor der Belagerung Wiens durch türkische Truppen, publizierte Vives seine Schrift De concordia et discordia in humano genere, die er Karl V. widmete. Das Werk besteht insgesamt aus vier Teilen, wobei der Leitsatz lautet: Die Welt bedarf der gegenseitigen Eintracht, um nicht völlig zerstört zu werden. Aus der ursprünglichen Eintracht der Menschen untereinander und mit Gott entwickelte sich, so Vives, sukzessive eine Zwietracht, die zur Grundlage bedenklicher Eigenschaft wie Hochmut, Neid und Zorn wurde. Diese Übel hätten in seiner Gegenwart, der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, zugenommen und dadurch sei die christliche Frömmigkeit deutlich eingeschränkt worden. Vives verweist indirekt auf die Kontrolle des Glaubens durch die Inquisition, die seine Eltern und das spanische Judentum zu erleiden hatten.

 

Ein zentraler Faktor der Übel stellt für Vives der Krieg dar. Konkret bedeutet dies: die Vernichtung durch Soldaten, Beendigung des Handels und Ende des Wohlstandes, Zerstörung von Städten, Anstieg von Armut und Arbeitslosigkeit, großer Finanzbedarf von Armeen bei geringer Unterstützung von Notleidenden, Entstehung einer Inflation, hohe Kosten für den Wiederaufbau nach einem Kriegsende (Geld, das für Kunst und Wissenschaft fehlt), Krankheiten, Zerstörung kultureller Einrichtungen (z. B. Bibliotheken).

 

Den Christenmenschen versteht Vives als Weltbürger und geht damit auf Distanz zu einem engen nationalistischen Denken. Das Söldnerwesen betrachtet Vives als großes Problem. Beutezüge und Zerstörungswut kennzeichnen diese Soldaten, die sich zudem nach einem Krieg nur schwer in das geordnete Zivilleben integrieren lassen. Den viel gepriesenen Kriegsruhm kritisiert Vives als Unding – denn wie lässt sich, so der Humanist, aus Mord, Raub und Vernichtung ein Ruhm ableiten? Auch vermeintliche Sieger von Kriegen seien letztlich Verlierer militärischer Auseinandersetzungen.

 

Der Friede ist das positive Gegenteil all dieser genannten Übel. Gott sei als Vater des Lebens auch der Vater des Friedens – der Teufel sei der Vater des Krieges. Der Pazifist wendet sich klar gegen die Kriegslust der Herrscher Franz I. und Karl V. Nach Vives wird das Erreichen des Friedens blockiert durch die Unfähigkeit der Konfliktparteien, dem Gegner als erster den Frieden zu erklären. In diesem Kontext verweist der Humanist auf Beispiele indigener Völker der Neuen Welt, bei denen diejenigen geehrt werden, die Frieden und Versöhnung als erste auf den Weg bringen. Herrschende sollen von einer Selbstlosigkeit geprägt sein, als Vermittler handeln und gegenüber der Bevölkerung als Vater bzw. Mutter auftreten.

 

Im vierten Kapitel und in Vives' Buch De pacificatione (ebenfalls von 1529) beschreibt der Autor den Weg zu Eintracht, Frieden und Gerechtigkeit – ganz im Sinne der Bergpredigt; einen Weg, der von Jesus dargelegt und vorgelebt wurde. Dieser Weg beinhaltet für Vives, dass Rache illegitim sei. Der Humanist plädiert daher für Vergebung und das Liebesgebot unter Einschluss der Feindesliebe, d. h. auch der Türkenliebe. Vives sieht die Bedrohung durch das Osmanische Reich, aber die Christenheit soll dieser Gefahr nicht mit Waffen entgegentreten sondern mit Argumenten, dem Verstand und einer christlichen Lebensführung. Dem werden sich die Türken, so Vives, letztlich nicht verschließen.

 

Auch friedenspädagogische Aspekte berücksichtigt Vives' De pacificatione. Durch die unterrichtliche Behandlung von Kriegen und die oft vermittelte Kriegsbegeisterung würden Kinder belastet. Kriegslieder und Soldatenspiele dienten ebenso schon sehr früh der militärischen Erziehung. Demgegenüber sollten besonders im Geschichtsunterricht die Kriege als Räubereien dargestellt werden und die Betonung auf einer Geschichte des Friedens liegen. So Juan Luis Vives im Jahre 1529.

 

 

Literatur

Bossong, Georg: Das maurische Spanien. Geschichte und Kultur, München 2007

Ders.: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden, München 2008

Delgado, Mariano: „Man muß die Türken lieben“. Zum Pazifismus des Humanisten Juan Luis Vives, in: Norbert Brieskorn/Markus Riedenauer (Hg.): Suche nach Frieden. Politische Ethik in der Frühen Neuzeit, Band II, Stuttgart 2002, 105-130

Dust, Philip C.: Three Renaissance Pacifists. Essays in the Theories of Erasmus, More and Vives, New York u.a. 1987

Mayer, Josef: Johann Ludwig Vives, ein Vorkämpfer für den Weltfrieden, in: Jahrbuch der Caritaswissenschaft, 1933, 64-85

Noreña, Carlos G.: Juan Luis Vives, Den Haag 1970

Schmoeckel, Mathias: Humanität und Staatsraison. Die Abschaffung der Folter in Europa und die Entwicklung des gemeinen Strafprozeß- und Beweisrechts seit dem hohen Mittelalter, Köln, Weimar, Wien 2000

Thünemann, Ines: Erasmus von Rotterdam und Ludovicus Vives als Pazifisten, Diss. Freiburg/Schweiz 1932

Zeller, Susanne: Juan Luis Vives (1492-1540). (Wieder) Entdeckung eines Europäers, Humanisten und Sozialreformers jüdischer Herkunft im Schatten der spanischen Inquisition. Ein Beitrag zur Theoriegeschichte der Sozialen Arbeit als Wissenschaft, Freiburg i. Br. 2006

 


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