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Helmut Aßmann
Herzogstraße 74, 67435 Neustadt

 

 

 

Josefs Grab

 

Die Rheinpfalz vom 17.10.2015 berichtete: „Radikale palästinensische Jugendliche warfen in der Nacht zum Freitag Molotow-Coctails gegen das Josefsgrab in Nablus und setzten es in Brand. Nach der Überlieferung ist das Josefsgrab die letzte Ruhestätte der biblischen Gestalt Josefs, Sohn Jakobs. Er wird von Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen verehrt.“

 

Dazu lesen wir in 1. Mose 50,20: „Und Josef starb, als er 110 Jahre alt war. Und sie salbten ihn und legten ihn in einen Sarg in Ägypten.“ Josef wurde also einbalsamiert und in Ägypten begraben. Dem voran steht aber eine letztwillige Erklärung Josefs, die lautet: „Darum nahm er einen Eid von den Söhnen Israels und sprach: Wenn euch Gott heimsuchen wird, so nehmt meine Gebeine mit von hier“ (1. Mose 50,19).

 

Was ist nun richtig? Wurde Josef mumifiziert oder nicht? Gebeine nennt man es nicht, wenn ein Leichnam einbalsamiert worden ist. Und man kann es sich auch schwer vorstellen, dass die Israeliten auf ihrer Flucht aus Ägypten einen Sarkophag mitnahmen. Trotzdem lesen wir 2. Mose 13.19: „Und Mose nahm mit sich die Gebeine Josefs; denn dieser hatte den Kindern Israel einen Eid abgenommen und gesprochen: Gott wird sich gewiss euer annehmen; dann führt meine Gebeine von hier mit euch fort.“ Wieder ist von Gebeinen, nicht von einem einbalsamierten Leichnam die Rede.

 

Der kritische Leser wird sich hier zu helfen wissen. Beide Textstellen, die von dem Eid sprechen, den Josef den Israeliten abgenommen hat, sind später in den Text eingefügt worden, als man den Vorgang der Einbalsamierung nicht mehr kannte und auch nicht mehr verstand. Ursprünglich ist dagegen nur der Vers 1. Mose 50,20, mit dem das 1. Buch Mose schließt. Dann kann aber Josefs Grab gar nicht in Sichem, dem heutigen Nablus, zu suchen sein, sondern in Ägypten. Bekanntlich wurden die einbalsamierten Leichname von Königen und hohen Beamten am Königshof, wie Josef einer war, im Tal der Könige beigesetzt. Wenn es stimmt, was Josef von sich sagt: „Gott hat mich zum Vater des Pharao gemacht“ (1. Mose 45,8), dann haben wir im Tal der Könige nach einem Mann zu suchen, in dessen Totenbuch der Titel „Vater des Pharao“ bzw. „Vater des Großen Gottes“ auftaucht. Und in der Tat wurde im Jahr 1905 im Tal der Könige das Grab eines Mannes und seiner Frau gefunden, der den Titel „Vater des Pharao“ trägt. Sein Name ist Juja, der seiner Frau Tuja. In der Josefstetralogie Thomas Manns heißen die beiden Hui und Tui und sind die Eltern Potifars, des Dienstherrn Josefs.

 

Nun sind wir heute in Bezug auf Jujas Person weiter als Thomas Mann. Wir wissen, dass Juja der Schwiegersohn von Amenophis III. und Vater der Königin Teje, Großvater Echnatons und seiner Frau Nofretete war. Ein Hebräer also, der eine Ägypterin geheiratet hatte, wie ja auch der biblische Bericht es von Josef erzählt, und der es zu großen Ehren brachte. Es sind also Indizien, die dafür sprechen, dass Josef der Juja vom Tal der Könige ist, dessen Mumie im Ägyptischen Museum in Kairo liegt. Trifft das zu, so haben wir in Sichem/Nablus nicht das Grab Josefs.


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