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Sibylle Biermann-Rau
Schalksburgstraße 56, 72458 Albstadt

 

An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen

Eine Anfrage*

 

 

Einleitung

 

Der Titel provoziert ja die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Luther und den Synagogenbränden vom November 1938, und wenn ja, welchen? Es geht im Folgenden also um die Judenfeindschaft Martin Luthers und ihre Wirkung im sogenannten „Dritten Reich“ – ein Thema, das nach 1945 lange Zeit tabuisiert worden ist, selbst noch im Jahr 1983, als der 500. Geburtstag des Reformators groß gefeiert worden ist. Eberhard Bethge, der Freund und Biograf Bonhoeffers, erinnert sich 1983: „Vor kurzem saß ich in einer Tischrunde renommierter Ordinarien, emeritierter. Ich fragte, ob denn nun im Lutherjahr Christen und Gemeinden in Deutschland endlich hilfreiche Belehrung über ‚Luther und die Juden’ erhielten und das Programm der Kirchen dergleichen plane. Alle Welt spräche davon, nur die deutschen Kirchen hätten bisher dazu kein Wort gefunden [...] Die Antwort auf die Frage [...] war kurz und bündig: auf keinen Fall! Dazu müssen mindestens noch 20 weitere Jahre ins Land gehen“ (S. 290).

 

Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass eine Gottesdienstbesucherin mich nach dem Gottesdienst am 9.11.2008 (70 Jahre Reichspogromnacht) fragt: „Ja, stimmt das wirklich mit dem Judenhass von Luther?“ und “Haben Sie mir da etwas zum Nachlesen?“ Genau diese Frage wurde dann der Auslöser für mich, dieses Buch zu schreiben, das auch für Nicht-Fachleute lesbar sein sollte: „An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen – eine Anfrage“.

 

Es geht dabei auch um die zentrale Frage, die für uns als Christen in Deutschland eine brennende bleiben muss, wie ich meine: „Warum konnte diese Zerstörung jüdischen Lebens geschehen inmitten eines christlichen Kulturvolks, inmitten eines Landes, das sich zu Gute hält, das Land Luthers und der Reformation zu sein?“

 

Wohl wissend, dass wir diese Frage nie abschließend werden beantworten können, will ich einer Spur nachgehen, eine Teilantwort versuchen. Es geht mir nicht darum, zu verurteilen, sondern aufzuklären.

 

 

1. Luthers judenfeindliche Äußerungen

 

Luther äußert sich in allen Phasen seines Wirkens zur Judenfrage, in Vorlesungen über die Psalmen und andere biblische Schriften, in vielen Predigten, Briefen, Tischreden, aber vor allem in seinen fünf großen sogenannten „Judenschriften“.

 

Doch die 1523 erschienene Schrift „Dass Jesus ein geborener Jude sei“ ist immerhin frei von Hass. Darin entfernt sich Luther etwas vom traditionellen kirchlichen Antijudaismus des Mittelalters, ja, er schreibt der Papstkirche die Schuld zu, dass Juden sich nicht bekehrten. Mit seinem freundlicheren Ton hofft er dagegen, die Juden für die Kirche der Reformation mit ihrer neuen Wertschätzung der Schrift  zu gewinnen. Doch kann Luther auch hier nicht als Freund der Juden bezeichnet werden, denn er akzeptiert die Juden ja nicht als Juden, sondern nur als potentielle Christen, und auch diese Schrift enthält bei genauerem Hinsehen antijüdische Theologie. Weil er aber einen anderen Ton anschlägt, setzen auch die Juden große Hoffnungen auf Luther. Als aber drei gelehrte Juden voller Erwartung 1526 Luther in Wittenberg aufsuchen, kommen sie nicht recht miteinander ins Gespräch, sondern bleiben in der Konfrontation. Das war, so weit bekannt, die einzige direkte Begegnung Luthers mit Juden, die zu diesem Zeitpunkt ja schon aus vielen Ländern und Städten des Reichs ausgewiesen waren (vgl. Kaufmann, 156ff)

 

Schon Mitte der 20er Jahre wird Luthers Ton allgemein schärfer, und das nicht nur gegenüber den Juden. Gründe dafür sieht man  in den Widerständen, auf die die Reformation jetzt stößt, sowie in Luthers zunehmender Überzeugung, dass der Jüngste Tag mit seinem Gericht näher rückt und deshalb der Antichrist, den er auch in den Juden am Wirken sieht, hart bekämpft werden müsse und die christliche Gemeinde vor den Juden geschützt werden müsse.

 

Luther sieht sein Werk bedroht und kämpft um sein „Credo“ (vgl. Kaufmann, S. 6-8): Allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube,-allein die Schrift . In alledem sieht er in den Juden das Gegenbild zum Christsein, seine Rechtfertigungslehre stellt er als Gegensatz zur jüdischen Gesetzlichkeit dar. So bedeutet der Kampf gegen die Juden Arbeit an der eigenen Identität Doch hat Luther in vielem ein Zerrbild vom jüdischen Glauben.

 

Der Hass, den Luther nun über die Juden entlädt, hat aber auch noch mit der Enttäuschung Luthers über die ausbleibende Bekehrung der Juden zur Kirche der Reformation zu tun, mit seinem Ärger über die angebliche Konversion von Christen zum Judentum und letztlich eben auch mit der tiefsitzenden allgemeinen Judenfeindschaft. Da kommen viele Motive zusammen, das ist m.E. nicht monokausal erklärbar.

 

So entstehen in Luthers letzten Jahren vier Schriften gegen die Juden, die, wie der EKD-Ratsvorsitzende Schneider Anfang 2013 im Braunschweiger Dom (epd-West 5/2013,S.2) sagte, zu Recht heute als „todbringende Intoleranz“ bezeichnet würden.

 

 

1.1 „Von den Jüden und ihren Lügen“

 

Im Folgenden konzentriere ich mich auf die 1543 erschienene umfangreiche 150seitige Schrift „Von den Jüden und ihren Lügen“, da  im „Dritten Reich“ gerade aus dieser viel zitiert worden ist. Darin schreibt Luther (S.24): „Sie [gemeint die Juden] haben solchen giftigen Hass gegen die Gojim [gemeint die Nichtjuden] von Jugend auf von ihren Eltern und Rabbinen eingesogen und saugen (ihn) noch in sich ohn Unterlass, dass es ihne..ganz und gar zur Natur und zum Leben geworden ist. Und so wenig sie Fleisch und Blut, Mark und Bein ändern können, so wenig können sie diesen Stolz und Neid ändern; sie müssen so bleiben und verderben, wenn Gott nicht sonderlich hohe Wunder tut.“

 

Doch ist hier zu fragen: Wer hasst hier wen? Projektion? Und schreibt Luther hier nicht eine Natur (!) des Juden fest? Auch bei Luther finden wir eine nicht nur religiös/theologisch motivierte Judenfeindschaft! Ein weiteres Beispiel: „Und die Fürsten und die Obrigkeit sitzen dabei […], lassen sich selbst und ihre Untertanen durch der Juden Wucher schinden und aussaugen…“.

 

Luther bedient hier das gängige Vorurteil über den Wucherjuden, vergessen ist die Tatsache, dass die Christen den Juden Arbeitsverbote erteilt und sie in den Geldverleih getrieben haben, verdrängt ist, wie sehr sich immer wieder Christen an den Juden unrechtmäßig bereichert haben – eine weitere Projektion? Es ist also eine Verharmlosung, zu sagen, Luthers Judenfeindschaft habe sich nur auf den Glauben bezogen.

 

Eine Anmerkung zu den Begriffen „Antijudaismus und Antisemitismus“: Der Begriff „Antisemitismus“ entsteht erst im ausgehenden 19. Jahrhundert, als die Rasselehre aufkam, die „wissenschaftlich“ nachweisen wollte, dass Juden eine gegenüber den Ariern minderwertige Rasse seien. Davon wird der Begriff des „Antijudaismus“ der christlichen Tradition unterschieden. Dieser hob darauf ab, dass Juden Christus ablehnen, ja, Christusmörder seien, ebenso Christenlästerer und -mörder sowie Hostienschänder, und er argumentierte theologisch, Israel sei enterbt und unter dem Fluch Gottes, die Kirche sei an seiner Stelle das Volk Gottes.

 

Aber auch der traditionelle Antijudaismus war meist vermischt mit weiteren psychologischen und politischen Motiven: Es ging um Fremdenangst und -hass, um Neid („Wucherjuden“), um Sündenbockdenken. Und wenn auch in dieser Tradition nicht von „Rasse“ gesprochen wurde, so gab es doch auch die Einstellung: „Jude bleibt Jude“, selbst wenn er getauft ist (Jung, 32). Sicher hat das rassistische Denken Ende des 19. Jahrhundert die Judenfeindschaft verschärft und getaufte Juden grundsätzlich nicht akzeptiert, aber die strikte Trennung von Antijudaismus und Antisemitismus, die gerne gemacht wird, ist m.E. zu einfach. Trotz ihrer Unterschiede haben Antijudaismus und Antisemitismus den gemeinsamen „Untergrund“ von Vorurteilen und Ablehnung, deshalb spreche ich von Luthers „Judenfeindschaft“.

 

Zurück zu Luthers Schrift, darin heißt es weiter (S. 25): „Wir wollten gerne (ein) Geschenk dazu geben, dass wir sie los wären. Denn sie sind uns eine schwere Last wie eine Plage, Pestilenz und lauter Unglück in unserem Lande [...“ „Die Juden sind unser Unglück“ (Ende des 19. Jahrhundert von dem Historiker von Treitschke aufgenommen), wird es später in der antijüdischen Propaganda des Nationalsozialismus heißen. Stürmer-Schlagzeile wird auch das Wort vom Juden als „leibhaftiger Teufel“. Bei Luther heißt es (S. 25f): „Darum, wo du einen rechten Juden siehst, magst du mit guten Gewissen ein Kreuz für dich schlagen und frei (und) sicher sprechen: `Da geht ein leibhaftiger Teufel`“.

 

Am Ende dieser langen Schmähschrift über die Juden folgen Luthers sieben konkrete Ratschläge an die politischen Machthaber in den lutherischen Territorien, an die Obrigkeit, zum Umgang mit den wenigen Juden, die noch da sind (S. 28f) „Erstens soll man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecken und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufen und zuschütten, dass kein Mensch einen Stein oder eine Schlacke davon sehe ewiglich. Und das soll man unsrem Herrn und der Christenheit zu Ehren tun, damit Gott sehe, dass wir Christen seien und solch öffentliches Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen nicht mit Wissen geduldet noch (darin) eingewilligt haben [...].

 

Zum andern soll man auch ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören [...]. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder in einen Stall tun, wie die Zigeuner, damit sie wissen, sie seien nicht Herren in unsrem Lande, wie sie sich rühmen, sondern im Elend und gefangen […].

 

Zum dritten soll man ihnen alle ihre Betbüchlein und Talmudisten nehmen, in denen solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.

 

Zum vierten soll man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbieten, hinfort zu lehren [...].Fünftens soll man den Juden das Geleit und die (freie) Straße ganz aufheben [...]. Sie sollen daheim bleiben [...].

 

Sechstens soll man ihnen den Wucher verbieten und ihnen alle Barschaft und Kleinodien an Silber und Gold nehmen und es zur Verwahrung beiseitelegen [...].Siebentes soll man den jungen, starken Juden und Jüdinnen Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel in die Hand geben und sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiß der Nase [...].

 

Denn, wie gehört, Gottes Zorn ist so groß über sie, dass sie durch sanfte Barmherzigkeit nur ärger und ärger, durch Schärfe aber(nur) wenig besser werden. Darum nur fort mit ihnen!“

 

 

1.2:Zur Bewertung von Luthers späten Judenschriften

 

Wir erschrecken heute darüber. Auch die Juden sind damals über diese Schrift zu recht bestürzt. Josel von Rosheim, der  Sprecher der Juden im Deutschen Reich, ersucht den Stadtrat von Straßburg, die Veröffentlichung dieser Schmähschrift zu verhindern, denn niemals habe „ein Hochgelehrter solch grob unmenschlich Buch mit Scheltworten und Laster uns armen Juden auferlegt, von dem sich, Gott weiß es, in unserem Glauben und in unserer Jüdischkeit in der Tat auch nicht das Geringste finden lässt“ (S. 30). Da klingt noch etwas durch von der hohen Wertschätzung Luthers durch die Juden und ihrer großen Enttäuschung, dass er so ein Zerrbild von ihrem Glauben hat.

 

Bemerkenswert aber ist, dass es auch unter den lutherischen Reformatoren damals bereits Distanz zu Luthers Äußerungen gab (S. 37ff). Melanchthons Bewertung von Luthers zitierter Schrift war zumindest zwiespältig, andere haben sie als maßlos kritisiert wie z.B. der Straßburger Martin Bucer. Auch aus der Schweiz, in der die Juden allerdings bereits ausgewiesen waren, kommen andere Töne: Bullinger, Zwinglis Nachfolger in Zürich, nennt Luthers Judenschriften von 1543 „sehr schmutzig geschrieben“.

 

An dieser Stelle wird eine weitere Verharmlosung Luthers deutlich, denn häufig wurde und wird versucht, Luthers Einstellung mit der allgemeinen Judenfeindschaft seiner Zeit zu erklären, gar zu „entschuldigen“. Sicher zeigt sich bei manch anderen Reformatoren auch eine judenfeindliche Haltung, aber doch nicht in der Schärfe wie bei Luther. Und es gab vereinzelt auch Ansätze zu toleranterem Denken und Handeln gegenüber Juden bei den Reformatoren Justus Jonas, Andreas Osiander (Urbanus Rhegius und Johannes Brenz) (S. 38f), doch sie haben weniger Gewicht als Luther – nur nach ihm ist eine Kirche benannt! Es haben also nicht alle so wie Luther gedacht und gesprochen. Selbst der Papst, Paul III, hat 1540 (!) zur Toleranz gegenüber Juden aufgerufen (vgl. Kaufmann, 177f),

 

Schließlich ist die Erklärung mit dem „Zeitgeist“ noch aus einem anderen Grund nicht überzeugend: Luther hat in anderer Hinsicht viele Vorstellungen seiner Zeit und Kirche überwunden, was wir ja gerade an ihm schätzen, während er in Bezug auf die Juden in mittelalterliches Denken, in die antijüdische Polemik zurückgefallen ist.

 

Luthers Judenschriften von 1543 werden selbst heute noch oft als späte Entgleisung interpretiert, demgegenüber seine Schrift von 1523 „dass Jesus ein geborener Jude sei“ lobend hervorgehoben wird als Beispiel für Toleranz – so haben wir es gelernt und so hören wir es immer wieder. Aber das scheint mir eine weitere Verharmlosung zu sein. Nicht nur quantitativ überwiegen die judenfeindlichen Äußerungen Luthers bei weitem, auch zeitlich gesehen finden wir, nur in den zehn Jahren bis Mitte der 20er parallel zu negativen auch positive Äußerungen Luthers zu den Juden, danach fast nur noch negative (vgl. Schorlemmer, 25). Heute wird zunehmend die Kontinuität in Luthers Denken betont und keine grundlegende Wende in seiner Theologie gesehen, wenn auch die Unterschiede in Sprache und Ton nicht zu übersehen sind, es ist „Umwandlung des theologischen Antijudaismus in gnadenlose politische Judenfeindschaft“ – so Martin Stöhr (S.296).

 

 

2. Zur Wirkung von Luthers Judenfeindschaft im Dritten Reich

 

2.1.Veröffentlichungen außerhalb und innerhalb der protestantischen Kirche

 

Die Publikationen über das Thema „Luther und die Juden“ nehmen im Dritten Reich sprunghaft zu. Luthers Spätschriften, nicht zuletzt „Von den Jüden und ihren Lügen“, werden neu aufgelegt und verbreitet. Die Nationalsozialisten nutzen die Schriften und Äußerungen Luthers zu den Juden als Fundgrube für viele judenfeindliche Zitate in ihrem antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer“. Und Stürmer-Kästen hängen an vielen Ecken öffentlich aus. Das Thema „Luther und die Juden“ wird dort auch in mehreren Artikeln eigens behandelt.

 

Bereits in der März-Ausgabe 1928 erscheint eine erste Ausführung unter dem Titel: „Luthers letzte Predigt“:„Viel zu wenig bekannt ist, welchen Kampf Doktor Martin Luther in den letzten Jahren seines Lebens gegen die Juden führte“ (S. 46)

 

Und noch in der Juli-Ausgabe 1943 steht unter der Überschrift „Der große Mahner Martin Luther“: „Dieser Judenkenner Martin Luther spricht in unsere Zeit hinein als großer Mahner, der Erkenntnis die Tat folgen zu lassen: Das Verbrechervolk der Juden muss vernichtet werden, auf dass der Teufel sterbe und Gott lebe“ (S. 51).

 

Ich will jetzt nicht weiter aus Stürmer-Ausgaben zitieren, das ist nachzulesen, aber so viel noch: Julius Streicher, der Herausgeber des „Stürmer“, erklärt 1946 im Nürnberger Prozess: „Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde. In dem Buch `Die Juden und ihre Lügen` schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man solle sie vernichten“ (S. 52). Luther dient hier als Rechtfertigung, obwohl Luther nicht zur Vernichtung der Juden aufgefordert hat.

 

Wie wurde Luthers Judenfeindschaft innerhalb der protestantischen Kirche rezipiert? Der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann resümiert (Kaufmann, 143f):„Seitens protestantischer Theologen und Kirchenführer hat es nicht an Anstrengungen gefehlt, mit Hilfe der Judenfeindschaft Luthers den Nachweis zu führen, dass sich die evangelische Kirche und Theologie auf der Höhe des antisemitischen Zeitgeistes zu bewegen wüssten und eine besondere Affinität zur Ideologie des Nationalsozialismus besäßen“ und „Die Judenpolitik des NS-Staates erschien einigen namhaften protestantischen Theologen und Kirchenmännern als Verwirklichung der Vorstellungen Luthers“.

 

Im Protestantismus gab es ja zum einen die starke Bewegung der Deutschen Christen (DC), die sich bewusst an das nationalsozialistische Gedankengut mit seinem Antisemitismus anlehnte – übrigens gab es im katholischen Bereich keine vergleichbare Bewegung – zum anderen gab es die Bekennende Kirche (BK), die sich vor allem als innerkirchliche Opposition zu den Deutschen Christen verstand, und sich 1933/1934 allmählich formierte als freie Bewegung, organisiert in Synoden und Bruderräten.

 

Zuvor bei den Kirchenwahlen im Juli 1933 erlangten die DC 70% und konnten daher in 19 Landeskirchen die Kirchenleitungen übernehmen, auch in der größten und gewichtigsten, der Altpreußischen Union (APU, sie umfasste das Gebiet des ehemaligen Freistaates Preußen, somit die Hälfte des Deutschen Reichs, mit acht Kirchenprovinzen vom Rheinland bis Preußen, Sitz in Berlin), nur nicht in den drei mittelgroßen Landeskirchen Hannover, Württemberg und Bayern, deren Bischöfe sich später der BK anschlossen.

 

Dass die DC judenfeindlich eingestellt waren, wurde bereits gesagt. Dass auch bis weit in die Bekennende Kirche hinein Judenfeindschaft verbreitet war, ist weniger bekannt. Besonderes Augenmerk gilt deshalb im Folgenden immer auch der Bekennenden Kirche, zumal diese nach dem Krieg bald zur Widerstandskirche erklärt wurde.

 

Beispiel: Vom Hallenser Pfarrer Gabriel, Mitglied des provinzsächsischen Bruderrates der BK, erscheint 1936, also nach den Nürnberger Rassegesetzen, die Schrift „D. Martin Luther: Von den Jüden. Luthers christlicher Antisemitismus nach seinen Schriften“. Darin grenzt er sich zwar gegen den „Radau-Antisemitismus“ eines „Stürmer“ ab. Dennoch ist Luther für ihn ein christlicher Antisemit, dessen Grundsätze – ins Moderne übertragen – „noch heute Klarheit und Segen bringen“. Die „rassischen und sozialen Einzelheiten“ sollte die Kirche „der Weisheit des Staates“ überlassen. Der Staat müsse mit „scharfer Barmherzigkeit“ gegen das unter dem Gericht Gottes stehende christus- und christenfeindliche Volk, das dem Geld ergeben sei, einschreiten. Nur wenige Juden seien noch vor ihrem schrecklichen Ende zu retten durch Judenmission (S. 59f). Soweit Gabriel, der 1941/42 im KZ Dachau inhaftiert war. Deutlich wird hier nicht nur die Judenfeindschaft, sondern auch das Obrigkeitsdenken des Luthertums.

 

 

2.2. Verhalten in der evangelischen Kirche

 

Es gab 22 Landeskirchen, auch noch nach den Kirchenwahlen vom Juli 1933, auch wenn sie sich zu einem Kirchenbund „Deutsche Evangelische Kirche“ zusammengeschlossen hatten. Allgemein werden vier Phasen der Judenverfolgung im „Dritten Reich“ unterschieden, daran will ich mich orientieren und jeweils Beispiele aufzeigen:

 

2.2.1: Ausgrenzung (ab April 1933)

Mit der Boykottaktion der SA vom 1. April 1933 gegen jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Kanzleien kommt es zu einer ersten Welle staatlicher Gewalt gegen die Juden. Dass diese Aktionen nicht nur im ersten Überschwang geschehen, wie viele meinen, zeigt das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933. Denn damit erfolgt der „legale“ Ausschluss aller „Nichtarier“ aus dem öffentlichen Dienst, aus Schulen, Universitäten und aus den freien Berufen. Mit diesem sogenannten „Arierparagraphen“ wird vielen Juden die Existenzgrundlage entzogen und das bekommen viele mit -rund die Hälfte der Berliner Kinderärzte sollen damals Juden gewesen sein. Dazu zwei evangelische Reaktionen:

 

1. Am 11. April 1933, kurz vor Ostern, gibt es eine Erklärung des Evangelischen Oberkirchenrats der APU. Als ob nichts geschehen wäre Anfang April, heißt es da: „Die Osterbotschaft von dem auferstandenen Christus ergeht in Deutschland in diesem Jahr an ein Volk, zu dem Gott durch eine große Wende gesprochen hat. Mit allen evangelischen Glaubensgenossen wissen wir uns eins in der Freude über den Aufbruch der tiefsten Kräfte unserer Nation zu vaterländischem Bewusstsein, echter Volksgemeinschaft und religiöser Erneuerung [...] Die Kirche ist freudig bereit zur Mitarbeit an der nationalen und sittlichen Erneuerung unseres Volkes“ (S. 94). Kein Wort zum Arierparagraphen!

 

Im Gegenteil, und dies sei hier vorgreifend angemerkt: Obwohl Bonhoeffer den Arierparagraphen als Irrlehre von der Kirche kritisiert hatte, führen die Deutschen Christen im Herbst 1933 den Arierparagraphen auch in der APU ein – es gibt ja viele jüdischstämmige Pfarrer und kirchliche Mitarbeitende. Dagegen entsteht allerdings eine Opposition von Pfarrern, auch Martin Niemöller gehört dazu, der Pfarrernotbund, der als ein Vorläufer der BK gilt. Dieser lehnt den Arierparagraphen ab – in der Kirche. Ansonsten wird es dem Staat überlassen.

 

Durch das Ausstellen der sogenannten „Ariernachweise“ leisten mehr oder weniger alle evangelischen und katholischen Pfarrämter Amtshilfe zur Klassifizierung von Juden und Ariern. Die Kirchenbücher sind praktisch die einzige Möglichkeit, die eigene „arische“ Herkunft zu belegen. Dass diese Nachweise nicht nur den „Ariern“ zur Entlastung dienen, sondern vor allem den Juden zur existentiellen Bedrohung werden, das wird von vielen seinerzeit ausgeblendet. Vielmehr, so Gailus, „Kirchliche Amtshilfe für den NS-Staat bei rassepolitischen Maßnahmen war selbstverständlich und wurde gern geleistet. Man glaubte, damit nationale Haltung und Zuverlässigkeit gegenüber der neuen Obrigkeit zu beweisen“ (S. 91). Der württembergische Bekenntnispfarrer Paul Schempp hält seinem Bischof Wurm – ebenfalls BK – im September 1936 vor: „Dass die Pfarrämter zu Sippenforschungsanstalten geworden sind, dagegen haben Sie noch kein ernstes Wort gefunden“. (S. 92).

 

2. Zurück zu 1933: Es sind nur Einzelne, die sich von Anfang an als völlig „immun“ gegenüber den national-völkischen Tönen erweisen, bekannt ist Dietrich Bonhoeffer, nahezu unbekannt Elisabeth Schmitz, eine Berliner Studienrätin, die viele Juden in ihrem Bekannten- und Freundeskreis hat. Beide haben von Anfang an alle Juden im Blick, nicht nur die Judenchristen! Die Texte und das  Verhalten von Elisabeth Schmitz, selbst ab 1934 Mitglied der BK, sind auch eine Anfrage an die BK, deshalb werde ich immer wieder auf sie zurückkommen.

 

Bereits am 18.April 1933 berichtet sie in einem ersten Brief an Karl Barth, dem seinerzeit bekanntesten Theologen in Deutschland, der aus der reformierten Schweizer Tradition kommt,  von den „Folgen der Judenverfolgung“ und von der Kirche, die Ostern feiert „in der Siegesstimmung, die augenblicklich durch unser deutsches Volk geht“. Sie bittet ihn, „dessen Stimme in Deutschland am meisten gehört wird“, die Gewissen in der theologischen Welt wachzurütteln (S. 103). Barth reagiert verhalten.

 

In ihrem langen Brief von Neujahr 1934 an Karl Barth heißt es: „Sollten die Gesetze, wie sie heute sind, längere Zeit bestehen bleiben, so würde das das glatte Todesurteil bedeuten für Hunderttausende von Menschen, vielleicht für Millionen. […] Zu alledem schweigt die Kirche. Ob sie überhaupt bemerkt, was vorgeht, ist nicht zu erkennen. Es sieht nicht so aus. [...] Und wieso verstehen auf einmal so viele Theologen von Biologie u. Rassekunde mehr als alle Anthropologen? [...] Wo hätte man ein Trostwort der Kirche an ihre verfolgten Glieder gehört, geschweige denn ein mitfühlendes Gedenken an die verfolgten – von Christen verfolgten – überhaupt? Was die Kirche am nötigsten braucht, ist weder ein neues Bekenntnis, noch die Verfassung, noch theologische Auseinandersetzungen über Volk u. Rasse, sondern ganz einfache, schlichte, selbstverständliche christliche Liebe. Auf keinem Gebiet hat die Kirche u. die deutsche Christenheit so rettungslos versagt wie auf diesem. [...]" (S. 103f).

 

Die Worte dieser klar sehenden Frau werden auch in der entstehenden BK nicht gehört. Obwohl viele Frauen in der BK sind, dominiert dort das traditionelle Frauenbild und die Leitung liegt bei den Männern in den Bruderräten.

 

Nur wenige Monate nach diesem Brief findet die BK in ihrem Gründungsbekenntnis, der Barmer Erklärung vom Mai 1934, die gerade von Karl Barth maßgeblich geprägt ist, kein Wort zum Antisemitismus. Die Delegierten haben darin sechs falsche Lehren der DC verworfen, aber es fehlt die 7. These: Verwerfung der falschen Lehre des Antisemitismus.

 

 

2.2.2: Entrechtung (ab September 1935)

Im September 1935 werden die „Nürnberger Gesetze“ verabschiedet, die Rassegesetze. Nur wenige Tage danach findet eine große, öffentliche Synode der Preußischen Bekennenden Kirche in Berlin-Steglitz statt, der gewichtigsten unter den Bekenntnissynoden, da sie das große Gebiet der APU umfasst. Mancher Synodale erwartet, dass die Kirche jetzt ein kritisches Wort zur Entrechtung der Juden sagt.

 

Die Berliner Studienrätin Elisabeth Schmitz , im Kontakt u.a. zu den Dahlemer BK-Pfarrern, gibt zu dieser Synode eine rund 20-seitige Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ ab, doch ist davon auszugehen, dass diese Denkschrift leider nicht besprochen worden ist, nur einzelnen Synodalen bekannt ist. Auf der Synode gibt es ein leidenschaftliches Ringen um ein Wort zur Judenfrage, aber diese Bekenntnissynode vom September 1935 findet kein Wort zur Entrechtung der Juden – nicht zuletzt wegen der starken Differenzen innerhalb der Bekennenden Kirche: Es gibt den gemäßigten Flügel um die konservativen Bischöfe der drei sogenannten „intakten“ Landeskirchen, Wurm, Meiser, Marahrens, die aber viel taktieren, und den entschiedenen Flügel, oft auch als „radikal“ bezeichnet, die Dahlemiten um Niemöller. Dieser und wenige andere erkennen klar, dass wenige Tage nach den Nürnberger Gesetzen die Stunde gewesen wäre für ein öffentliches kirchliches Wort zur Judenfrage. Aber auch in der BK-Synode wollen viele dem Staat ausdrücklich das Recht zu gesetzlichen Regelungen gegen Juden zugestehen. Hier zeigt sich auch wieder das Obrigkeitsdenken des Luthertums.

 

Die BK setzt sich zwar im Gegensatz zu den Deutschen Christen für die getauften Juden ein, die ihre Kirchenmitglieder sind –insgesamt ist von mind. 100 000 evangelisch Getauften im Deutschen Reich auszugehen – und hat dadurch viele Konflikte mit dem Staat, aber sie engagiert sich nicht für alle Juden – ca. ein bis zwei Million im Deutschen Reich. Das haben nur Einzelne getan bzw. der entschiedene Flügel der BK, der aber in der Minderheit war. Nach 1945 wurde dann gerne von diesen Einzelnen, dieser Minderheit, auf die BK insgesamt geschlossen. Der BK als Ganzes geht es vor allem um die Freiheit der Kirche vor Übergriffen der Nationalsozialisten, nicht um Widerstand gegen das Unrechtsregime und die Judenverfolgung.

 

Schmitz hatte seinerzeit eigenhändig 200 Exemplare abgezogen und verteilt an wichtige Kirchenmänner und Bruderräte der BK in ganz Deutschland, auch Barth und Bonhoeffer hatten ein Exemplar. Sie wollte ihre Bekennende Kirche „zum Widerstand gegen die antichristlichen Maßnahmen des Staates“ aufrufen. (S. 115).

 

Noch ein Wort zum Inhalt der Denkschrift von Schmitz: In den ersten beiden Kapiteln „Die innere Not“/„Die äußere Not“ belegt sie mit einer Vielzahl von drastischen Beispielen die Situation der Juden und kommt zu dem Schluss: „Die Beispiele genügen um zu zeigen, dass es keine Übertreibung ist, wenn von dem Versuch der Ausrottung des Judentums in Deutschland gesprochen wird“ (S. 116). Elisabeth Schmitz sieht die Endlösung bereits 1935 (!) kommen.

 

In einem weiteren Kapitel „Die Stellung der Kirche“ mahnt sie eindringlich: „Was soll man antworten auf all die verzweifelten, bitteren Fragen und Anklagen: Warum tut die Kirche nichts? Warum lässt sie das namenlose Unrecht geschehen? […] Menschlich geredet bleibt die Schuld, dass alles dies geschehen konnte vor den Augen der Christen, für alle Zeiten und vor allen Völkern und nicht zuletzt vor den eigenen künftigen Generationen auf den Christen Deutschlands liegen. Denn noch sind fast alle Glieder des Volkes getauft, und noch trägt die Kirche Verantwortung für Volk und Staat […], denn es sind ihre getauften Glieder, die all den Jammer und all das Elend auf dem Gewissen haben“ (S. 116f).

 

Schmitz fordert nicht nur christliche Solidarität mit den Opfern, sondern spricht offen von der Mitverantwortung der Christen in Deutschland. Ihre Denkschrift –samt Nachtrag vom Frühjahr 1936 zu den Folgen der Nürnberger Gesetze – kann als der bedeutendste Text betrachtet werden, der im Dritten Reich auf evangelischer Seite zur Lage der Juden geschrieben wurde. Da ihr Name nicht darunter stand, wurde er lange fälschlicherweise Marga Meusel zugeschrieben.

 

Erst 1999 wurde von Pfarrerin Dietgard Meyer, der ehemaligen Schülerin und späteren Freundin, die Verfasserschaft geklärt, und 2004 entdeckte Gerhard Lüdecke durch Zufall auch noch den handschriftlichen Entwurf.

 

2.2.3: Ausstoßen (beginnend mit der Reichspogromnacht im November 1938)

Diese Nacht vom 9.auf den 10.November 1938 markiert zeitlich ungefähr die Mitte des „Dritten Reichs“. In den Zerstörungen dieser Nacht “kristallisiert“ sich der Antisemitismus der nationalsozialistischen Ideologie. Die brennenden Synagogen, die zerbrochenen Fensterscheiben, die auf die Straßen geworfenen Möbel, das war für alle in Deutschland sichtbar und hat sich als Bild für die Gewalt gegen Juden eingeprägt. Und in der Reaktion der Christen auf die Zerstörung der jüdischen Gotteshäuser „kristallisiert“ sich der Antijudaismus der kirchlichen und gerade auch der lutherischen Tradition. Wenn seit Jahrhunderten die Tempelzerstörung als göttliche Bestrafung der Juden gepredigt wird, insbesondere in der evangelischen Kirche an dem jährlichen „Judensonntag“, überrascht der ausbleibende Protestschrei der Protestanten angesichts der Zerstörung von Synagogen nicht mehr!

 

Reaktionen aus der evangelischen Kirche:

- Der damalige Thüringer Landesbischof Martin Sasse (1934-1942), ein Deutscher Christ, begrüßt das Geschehen in der Reichspogromnacht. In dem nationalkirchlichen Blatt „Deutscher Sonntag“ vom 20.11. betont er freudig die Tatsache, dass die Reichspogromnacht mit Luthers Geburtstag, dem 10.November, zusammenfällt – das war Zufall und von den Nazis nicht so geplant. „Der Geburtstag Martin Luthers! Wahrlich, kein größerer Dienst hätte ihm geleistet werden können“ (S. 145). Noch im November stellt Sasse unter dem Titel: „Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!“ eine Textauswahl zum Judenhass aus Luthers Schriften zusammen, die immerhin nur in den letzten Wochen des Jahres 1938 bereits eine Auflage von 100 000 erreicht. Im Vorwort hebt er Luther als den größten Antisemiten seiner Zeit hervor und bringt die Reichspogromnacht ausdrücklich in Verbindung mit ihm: „Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volke wird zur Sühne für die Ermordung des Gesandtschaftsrates vom Rath durch Judenhand die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. […] In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16.Jahrhundert aus Unkenntnis einst als Freund der Juden begann, der, getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden […] Wartburgstadt Eisenach, den 23. November 1938 [...]“ (S. 145f). Sasse kann nicht einfach als Extremposition und Außenseiter abgetan werden. Er ist immerhin der Bischof am Fuß der Wartburg. Deutliche Kritik an seinen Äußerungen ist mir nicht bekannt.

 

- Und der  württembergische Bischof Wurm, der dem gemäßigten Flügel der BK angehört, schreibt am 6.Dezember 1938 in einem nichtöffentlichen Brief an den Reichsjustizminister Gürtner: „Die Ereignisse in der Nacht vom 9. auf den 10. November haben weite Volkskreise bis weit in die Partei hinein seelisch erschüttert und in ihren sittlichen Empfindungen verletzt“, aber andererseits: „Ich bestreite mit keinem Wort dem Staat das Recht, das Judentum als ein gefährliches Element zu bekämpfen. Ich habe von Jugend an das Urteil von Männern wie Heinrich von Treitschke und Adolf Stöcker über die zersetzende Wirkung des Judentums auf religiösem, sittlichem, literarischem, wirtschaftlichem und politischem Gebiet für zutreffend gehalten…“ (S. 148f; Adolf Stöcker, Hofprediger in Berlin, nannte sich selbst „Vater des Antisemitismus“ und hatte in den 1870er Jahren die antijüdische Massenbewegung in Berlin agitiert). Die Judenfeindschaft geht bei den beiden Kirchenführern Sasse und Wurm also weit über das religiöse hinaus.

 

- Einzigartig ist die Reaktion von Elisabeth Schmitz, durch ihre jüdischen Freundinnen und Kolleginnen in Berlin auch persönlich betroffen. Am Tag nach der Reichspogromnacht erscheint sie nicht mehr in ihrer Berliner Schule und will ihren Dienst –mit 45 Jahren – sofort quittieren. Das war riskant, wurde aber von Vorgesetzten gedeckt. Rückblickend beschreibt sie 1947 ihren Schritt so: „Ich beschloss, den Schuldienst aufzugeben und nicht länger Beamtin einer Regierung zu sein, die die Synagogen anstecken lässt“ (S. 157).

 

Das ist nicht ihre einzige Reaktion auf die Reichspogromnacht: Unmittelbar nach der RPN kontaktiert sie den Bekenntnispfarrer von Rabenau in Berlin-Schöneberg und schreibt im November auch noch zwei Briefe an den Bekenntnispfarrer Gollwitzer in Berlin-Dahlem, der vermutlich auch ihre Denkschrift  kennt. Offenbar hat Elisabeth Schmitz den von Gollwitzer gehaltenen Bußtagsgottesdienst in Dahlem zusammen mit ihrer Freundin Martha Kassel, einer getauften Jüdin, die sie in ihrer Wohnung aufgenommen hatte, besucht.

 

Wenige Tage danach, am 24. November 1938, bedankt sie sich bei Gollwitzer mit einem langen Brief, daraus nur wenige Sätze: „Sehr geehrter Herr Pfarrer, bitte, erlauben Sie mir, dass ich Ihnen noch heute aus tiefstem Bedürfnis heraus für den Bußtagsgottesdienst danke. Es lässt sich wohl nicht mehr sagen als dies: dass man erfüllt war von dem Gefühl: So, und nur so kann und darf nach dem, was geschehen ist, eine christliche Gemeinde in Deutschland zusammen sein. […] Und nun? Es scheint, dass die Kirche auch dieses Mal, wo ja nun wirklich die Steine schreien, es der Einsicht und dem Mut des einzelnen Pfarrers überlässt, ob er etwa sagen will, und was. Aber was m.E. nun überall kommen muss, ist die Fürbitte“ [...] (S. 160f). Sie ist nicht gekommen, auch nicht in Dahlem, allerdings in der katholischen Hedwigskathedrale in Berlin durch Domprobst Bernhard Lichtenberg.

 

In der evangelischen Kirche wurde also nach der Reichspogromnacht nicht nur geschwiegen, wie es immer wieder heißt, sondern es gab auch jetzt noch ausdrückliche Zustimmung durch die DC und manches taktierende Wort aus den Reihen der BK. Die BK als Ganzes hat allerdings geschwiegen, sie war aufgrund interner Konflikte bereits im Oktober 1938 auf ihrem Tiefpunkt angelangt und wie gelähmt Nur Einzelne zeigten Solidarität und protestierten.

 

Dieses Verhalten in der evangelischen Kirche hat wiederum Einfluss auf die weiteren Maßnahmen des Staates, denn, so Hartmut Metzger, „der NS-Staat beobachtet genau, was sich nach der Kristallnacht in den Kirchen tut. Doch die Nachrichten lösen keinen Alarm aus: In den Kirchen rührt sich wenig“ (S.144).

 

- Und kann Hitler nicht eine Ermutigung darin sehen, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren, wenn kein halbes Jahr nach der Reichspogromnacht der Präsident des (unierten) preußischen Oberkirchenrats (DC) im Namen der Deutschen Evangelischen Kirche Hitler zum 50.Geburtstag gratuliert: „Mit dem gesamten deutschen Volke feiert die evangelische Kirche am 20.April in jubelnder Freude den fünfzigsten Geburtstag unseres Führers. In ihm hat Gott dem deutschen Volke einen wahren Wundermann geschenkt, wie Martin Luther die Großen nannte, die Gott nach seinem freien Rat und Willen je und dann aussendet, dass sie in der Weite und Tiefe der Geschichte mächtig hineinwirken, dass sie ihrem Volke und der Welt neue Ziele weisen, Bahn brechen in eine lebendige Zukunft und ein neues Zeitalter heraufführen“ (S. 184f). Dazu kommt im Frühjahr 1939 folgendes:

 

- Am 6. Mai 1939 wird das Institut „zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ feierlich in Eisenach eingeweiht. Ein halbes Jahr nach der Reichspogromnacht sehen also elf deutschchristlich geprägte Kirchenführer (auch APU!) und nicht wenige akademische Theologen ihre Aufgabe in der „Entjudung“ von Kirche und Christentum. Ob die Verantwortlichen sich dessen bewusst waren, dass das auch als eine –unterstützende – Reaktion auf die Reichspogromnacht verstanden werden konnte?

 

Obwohl das Institut seinen Sitz in einer großen Villa in Eisenach hat, wird für die Einweihung die Wartburg gewählt, dieser geschichtsträchtige Ort, an dem Martin Luther Zuflucht fand und die Bibel ins Deutsche übersetzt hat.

 

Namhafte Theologen aus ganz Deutschland wirken mit, insgesamt rund 200, in Arbeitskreisen, Forschungsaufträgen oder Einzelarbeiten. Für Grundmann, den Leiter und Verfasser vielgelesener Kommentare zum Neuen Testament, auch nach 1945, ist Jesus „mit größter Wahrscheinlichkeit“ kein Jude (S. 194).

 

Praktische Ergebnisse der Arbeit sind u.a. das Volkstestament „Die Botschaft Gottes“, das nur Teile aus den Evangelien und Briefen zusammenfügt, mit entsprechenden hinführenden Kommentaren das antijudaistische Verständnis stärkt und einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen christlichem Glauben und Judentum herausstellt. Das von dem Institut herausgegebene „Volkstestament“ ist eine zerstückelte Bibel, aber hat mit 300.000 Exemplaren durchaus Breitenwirkung in die Gemeinden hinein.

 

2.2.4:Vernichtung (ab Juni 1941)

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 beginnt die Endphase der Judenvernichtung in den Massenvernichtungslagern im Osten. Bald sind auch einzelne Kirchenführer über das dortige Geschehen unterrichtet. Die beiden Bewegungen DC und BK verlieren in Kriegszeiten an Bedeutung. Viele Kirchenmänner, bevorzugt auch die BK-Pfarrer, sind eingezogen, und der entschiedene BK-Flügel ist seit Mai 1941 vollends ausgeschaltet. So arbeiten nun die jeweils Gemäßigteren aus DC und BK gelegentlich zusammen. Auch in dieser Phase gibt es nicht nur ein Schweigen der Protestanten: Kirchlicherseits wird das patriotisches Zusammenrücken proklamiert, werden Siege begrüßt.

 

Im Dezember 1941 unterstützen sieben evangelisch-lutherische und DC-geführte Landeskirchen in einer „Bekanntmachung“ die Behauptung der Nazis, der Krieg sei in seinen weltweiten Ausmaßen von den Juden angezettelt worden und erklären die Kennzeichnung mit dem Judenstern für die Juden für notwendig „als der geborenen Welt- und Reichsfeinde […] wie schon Dr. Martin Luther nach bitteren Erfahrungen die Forderung erhob, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen“ (S. 199).

 

Der württembergische Bischof Wurm (BK) setzt sich zwar in seinem Schreiben vom Februar 1942 an die Kirchenkanzlei dafür ein, dass die getauften Juden in der Gemeinde ihren Platz haben, doch seine prinzipielle Judenfeindschaft überwindet er auch jetzt nicht, wenn er schreibt: „Von keiner evangelischen Kirche ist dem Staat das Recht bestritten worden, zum Zweck der Reinhaltung des deutschen Volkes eine Rassegesetzgebung durchzuführen. Führende Männer der Evangelischen Kirche – ich erinnere an Adolf Stöcker und seine Gesinnungsgenossen – haben einst zuerst auf die Gefahren hingewiesen, die dem deutschen Volk aus der jüdischen Überfremdung auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiet drohen“ (S. 203).

 

Ansonsten herrscht Schweigen. Und die Maschinerie des Krieges und der Judenvernichtung kann auch von den Widerstandskreisen nicht mehr aufgehalten werden. 1941 drängt Bonhoeffer konspirative Generäle zu raschem Handeln. Für Bethge besteht kein Zweifel, „dass die Hauptmotivation für Bonhoeffers Schritt in die aktive politische Verschwörung die Judenbehandlung durch das Dritte Reich gewesen ist“ (Bethge, S. 199).

 

 

Zusammenfassung

 

1. Nationalsozialisten außerhalb und innerhalb der Kirche konnten sich auf Luthers judenfeindliche Äußerungen berufen, auf seine Ratschläge beziehen. Auch wenn die Nazis mit der Massenvernichtung der Juden weit über Luther hinausgingen, ist es m.E. zu verharmlosend, nur von einem Missbrauch Luthers zu reden, denn er hat zur Vernichtung der Lebensgrundlagen der Juden bis hin zur Vertreibung aufgefordert. Die Berufung auf ihn hat die Durchsetzung der antisemitischen Politik erleichtert, zumal Luther damals eine noch viel größere Autorität war, er von vielen als Held und Heiliger gesehen wurde. „Und die evangelischen Kirchenführer pflichteten ja entweder der antisemitischen Rezeption von Luthers Schriften bei, oder aber sie bekräftigten das Recht zu einer antisemitischen Politik des NS-Staate“ (von der Osten-Sacken, S.298) – geprägt von Luthers Denken, dass das Reich Gottes und das Reich der Welt getrennte Bereiche seien, aber der von Gott gewollten Obrigkeit Gehorsam zu leisten sei (wenn auch nicht in jedem Fall!).

 

2. Luthers Judenfeindschaft (und Obrigkeitsdenken) hat sich lähmend ausgewirkt auf den Widerstand der 22 evangelischen Kirchen und Christen gegen die Judenverfolgung und auf die Solidarität der Protestanten mit den Juden. Umso mehr Respekt gilt den Einzelnen, die gegen die Judenverfolgung protestiert und Juden geholfen, auch versteckt haben. Sie taten dies unter hohem Risiko, alleingelassen von ihrer  Kirche. Sie mussten nicht nur ihre Angst überwinden, sondern die antijüdische und obrigkeitsfreundliche Haltung insbesondere des Luthertums.

 

 

3. Zur Haltung der evangelischen Kirche nach 1945

 

Auch nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur geht zunächst das Schweigen weiter, was offenbart, dass das Schweigen im Nationalsozialismus wohl nicht nur aus Angst, sondern auch aus Überzeugung geschah.

 

Die evangelischen Kirchen in Ost und West kommen nun zusammen in der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das bekannte Stuttgarter Schuldbekenntnis der EKD vom August 1945 enthält kein Wort zur Vernichtung von sechs Millionen Juden. Erst fünf Jahre nach diesem Schuldbekenntnis entsteht vor dem Hintergrund des ständigen Drängens der weltweiten Kirche und angesichts antisemitischer Tumulte in Deutschland im April 1950 auf der EKD-Synode in Berlin-Weißensee spontan über Nacht ein Wort, in dem es u.a. heißt: „Wir sprechen es aus, dass wir durch Unterlassen und Schweigen vor dem Gott der Barmherzigkeit mitschuldig geworden sind an dem Frevel, der durch Menschen unseres Volkes an den Juden begangen worden ist. […]“ (S. 239f).

 

Endlich sind andere Töne zu hören. Wolfgang Huber bemerkt allerdings treffend: „Die Mitschuld der Kirche wird in dem Synodalwort von Berlin-Weißensee ausdrücklich auf den Bereich des Schweigens und des Unterlassens bezogen. Die Frage nach den Wirkungen kirchlichen Redens und Handelns blieb in den kirchlichen Stellungnahmen der ersten Nachkriegsjahre weithin ausgespart“ (S. 241), gemeint sind also die Wirkungen der traditionellen Judenfeindschaft der Christen. Dieser Erklärung von Weißensee wäre trotzdem eine breite Wirkung zu wünschen gewesen, aber sie erreicht keine große Bekanntheit.

 

In den Jahrzehnten nach 1950 machen sich Einzelne – Goes, Gollwitzer, Bethge und die jüdischen Gesprächspartner Buber, Ben Chorin, Lapide, um nur einige zu nennen – sowie Gruppen und Initiativen wie ASF auf den Weg, die traditionelle Judenfeindschaft zu überwinden und ein neues Verhältnis zwischen Christentum und Judentum zu gewinnen. Gollwitzer, der mit einer Frau jüdischer Herkunft verheiratet war, initiierte die AG „Juden und Christen“, die auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin im Juli 1961 eingesetzt wurde und im Nachkriegsdeutschland zum zentralen Ort für den jüdisch-christlichen Dialog geworden ist.

 

Aber erst 30 Jahre nach Weißensee kommt es 1980 in Gegenwart geladener Juden zu dem Rheinischen Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“, an dem Bonhoeffers Freund Bethge maßgeblich beteiligt war und in dem es nun ausdrücklich – und hinausgehend über die Weißensee-Erklärung in Bezug auf die Christen heißt: „Wir bekennen betroffen die Mitverantwortung und Schuld der Christenheit in Deutschland am Holocaust“ (S. 262). Dieser zunächst noch umstrittene Synodenbeschluss entfaltet eine große Wirkung in der Öffentlichkeit, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus und sollte wegweisend für weitere Erklärungen in den verschiedenen Landeskirchen und in der EKD werden.

 

Es kommt jetzt endlich auch zu einem intensiven Umdenkprozess in der evangelischen Kirche und Theologie. Das hat auch Konsequenzen für die Gemeindepraxis, für Gottesdienst und Bildungsarbeit – doch das Umdenken hat auch heute noch längst nicht alle erreicht! Leider gibt es fortdauernde antisemitische und fremdenfeindliche Einstellungen in Deutschland – und laut aktueller Untersuchungen sind sie unter Kirchenmitgliedern nicht weniger verbreitet als in der Gesamtgesellschaft. Aber, um mit den Worten des württembergischen Dichterpfarrers Albrecht Goes (1964) zu reden: Antisemitismus ist keine Meinung noch weniger eine Haltung, sondern eine Pest (S. 248).

 

 

Schluss

 

Nun die noch offene Frage: Inwiefern distanziert sich die evangelische Kirche ausdrücklich auch von Luthers Judenfeindschaft? Es geht nicht um die Distanzierung von Luther, sondern um die Distanzierung von seiner Judenfeindschaft – das ist ein Unterschied. Für uns Protestanten sollte Luther weder unfehlbar noch heilig sein, vielmehr sollte es möglich sein, ihn als Menschen zu sehen, seine Widersprüche auszuhalten, ihm mit Wertschätzung und Kritik gleichermaßen zu begegnen.

 

1983, an Luthers 500. Geburtstag, war die Distanzierung von Luthers Judenfeindschaft noch kein Thema in Deutschland. Dagegen hat eine Kommission des Lutherischen Weltbundes (LWB) im Lutherjahr 1983 bei einem Treffen mit Vertretern der jüdischen Weltgemeinschaft in Stockholm klare Worte gesprochen: „Wir Lutheraner leiten unseren Namen von Martin Luther ab, dessen Verständnis vom Christentum auch weitgehend unsere Lehrgrundlage bildet. Die wüsten antijüdischen Schriften des Reformators können wir jedoch weder billigen noch entschuldigen […] Wir stellen mit tiefem Bedauern fest, dass Luthers Namen zur Zeit des Nationalsozialismus zur Rechtfertigung des Antisemitismus herhalten musste und dass seine Schriften sich für solchen Missbrauch eignen […] Die Sünden von Luthers antijüdischen Äußerungen und die Heftigkeit seiner Angriffe auf die Juden müssen mit großem Bedauern zugegeben werden“ (S. 301f). Auch die Generalsynode der Evangelischen Kirche in Österreich hat 1998 im Blick auf Luthers Spätschriften erklärt: „Wir verwerfen den Inhalt dieser Schriften“ (S. 308).

 

Mittlerweile haben sich auch in Deutschland nach und nach einzelne Landeskirchen von Luthers antijüdischen Äußerungen distanziert; so erklärt z.B. die Württembergische Evangelische Landessynode 2000: „Als lutherische Kirche steht sie [die evangelische Landeskirche in Württemberg] in der Tradition Martin Luthers. Deswegen distanzieren wir uns ausdrücklich von seinen judenfeindlichen Äußerungen“ (S. 308). Leider ist diese Erklärung wenig bekannt. Eine prägnante und öffentlichkeitswirksame Distanzierung der EKD als Ganzes von Luthers Judenfeindschaft steht noch aus, die kritischen Sätzen dazu in den EKD-Studien (so 1991/2000, S.302) sind in der Öffentlichkeit und auch in den Gemeinden so gut wie unbekannt.

 

Jetzt, in der Reformationsdekade, gibt es zwar einzelne distanzierende Äußerungen vom EKD-Ratsvorsitzenden Schneider und der Reformationsbotschafterin Käßmann, aber vielen scheint jetzt in der Reformationsdekade der Zeitpunkt (kairos) gekommen für ein solches öffentlichkeitswirksames Wort der EKD. Sie sehen darin sogar eine Voraussetzung, um Luthers reformatorische Erkenntnisse und Luthers Bibelübersetzung gebührend zu würdigen und die 500jährige Wiederkehr des Thesenanschlags 2017 recht feiern zu können.

 

Luther selbst hatte übrigens eine selbstkritische Haltung seinen Schriften gegenüber, denn sie sollten ganz hinter der Bibel als dem Gotteswort zurückstehen. So konnte er sagen: „Gern hette ichs gesehen, das meine Bücher allesamt weren dahinden blieben und untergegangen“ (S. 310).

 

* Wo nicht anders vermerkt, wird zitiert nach Biermann-Rau, Sibylle: An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen – eine Anfrage, 2. Aufl., Stuttgart 2014

 

 

Verwendete Literatur:

 

Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer und die Juden. In: Feil, Ernst/ Tödt, Ilse (Hg):Konsequenzen, München 1980

Biermann-Rau, Sibylle: An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen – eine   Anfrage, 2. Aufl., Stuttgart 2014

Jung, Martin: Reformation und Toleranz – und die Juden. In: Zeitschrift „Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste“ 2013

Kaufmann, Thomas: Luthers „Judenschriften“, Tübingen 2011

Schorlemmer, Friedrich/Joestel, Volkmar (Hg): Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei – Martin Luther und die Juden, eine Textsammlung, Wittenberg 2007

 

Vortrag vor dem Arbeitskreis Kirche und Judentum der Evangelischen Kirche der Pfalz. Die Autorin ist Pfarrerin der Evangelischen Kirche in Württemberg. Zur Veröffentlichung vorgeschlagen von Frank-Matthias Hofmann, Johanna-Wendel-Straße 15, 66119 Saarbrücken.

 


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