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Helmut Aßmann
Herzogstraße 74, 67435 Neustadt / Wstr.-Gimmeldingen

 

 

Die Rechtfertigung aus Glauben im Alten Testament, im Neuen Testament und im Koran

 

 

1. Die Rechtfertigung aus Glauben im Alten Testament

 

Gen 15,6ff.: „Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. Und er sprach zu ihm: Ich bin der Herr, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, auf dass ich dir dies Land zu besitzen gebe. Abraham aber sprach: Herr, woran soll ich merken, dass ich´s besitzen werde? ….Als nun die Sonne am untergegangen war, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis umfiel ihn. Da sprach der Herr zu Abram: Das sollst du wissen, dass deine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem Lande, das nicht das ihre ist; und da wird man sie zu dienen zwingen und plagen vierhundert Jahre. Aber ich will das Volk richten, dem sie dienen müssen. Danach sollen sie ausziehen mit großem Gut. … An dem Tage schloss der Herr einen Bund mit Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben, von dem Strom Ägyptens an bis an den großen Strom Euphrat.“

 

In dieser Kernstelle des Alten Testamentes wird der Glaube Abrahams von Gott zur Gerechtigkeit angerechnet. Die Gerechtigkeit Gottes ist eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Der Glaube Abrahams, durch den er die Gerechtigkeit erworben hat, bezieht sich auf die Verheißung von Nachkommen und auf den Besitz des Landes, in das er gezogen ist. Denn unmittelbar vorher sprach Gott zu ihm: „Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und er sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein“ (Gen 15,5). Die Gerechtigkeit wurde ihm nicht angerechnet, weil er bereit war, seinen Sohn Isaak zu opfern, wie das in der jüdischen Auslegung vertreten wird oder weil er aus dem Land seiner Väter Mesopotamien auszog. Sie wurde ihm nicht auf Grund eines Verdienstes angerechnet, sondern aus Glauben.

 

Die Eroberung des Landes wird im Buch Josua geschildert, der Auszug aus Ägypten im 2. Buch Mose, dem Buch Exodus. Allerdings hat die historische Forschung herausgefunden, dass es sich hier um eine Umkehrung der Tatsachen handelt. Nicht das vorkanaanäische Israel wurde von Ägypten 400 Jahre unterdrückt und ist dann ausgezogen, sondern die Hebräer haben Ägypten vierhundert Jahre unterdrückt und wurden dann von dort vertrieben durch Pharao Ahmose, den Begründer der 18. ägyptischen Dynastie um 1550 v. d. Zeit. Im Alten Testament wird aus Ahmose, dem Pharao der Vertreibung aus Ägypten Mose der Führer des Auszugs aus Ägypten. Aus der Herrschaft der Israeliten über Ägypten wird die Knechtschaft der Israeliten unter Ägypten und aus der Vertreibung der Fremdherrscher wird der Auszug der Unterdrückten. Aus einer Niederlage wird ein Sieg. Ein klassisches Beispiel für Verfälschung von Geschichte. Man hat diesen Vorgang als kulturelle Inversion bezeichnet (vgl. Jan Assmann: Moses der Ägypter). Die Verkehrung eines geschichtlichen Vorgangs in sein Gegenteil.

 

 

2. Die Rechtfertigung aus Glauben im Neuen Testament

 

Paulus legt in Römerbrief die Kernstelle aus dem Alten Testament aus. „Was sagen wir denn von Abraham, unsrem Vater nach dem Fleisch, das er erlangt habe? Das sagen wir: Ist Abraham durch die Werke gerecht, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade, sondern aus Pflicht (zuteil). Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit“ (Röm 4,1-5).

 

Paulus wählt eine passivische Formulierung. Er sagt nicht: das rechnete ER ihm zur Gerechtigkeit, sondern: „das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet“ und: „dem der glaubt, wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit“. Er umschreibt damit den Namen Gottes, den er als Jude nicht aussprechen durfte. Er zitiert auch den Propheten Habakuk, der sagte: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben“ (Hab 4,2). An die Stelle des Handelns Gottes an Abraham tritt die Verheißung, dass Gott so, wie er an Abraham gehandelt hat, auch an uns handeln wird, sofern wir glauben, dass Gott uns gerecht macht und dass wir als die Gerechten unseres Glaubens leben. Damit beschreibt Paulus das Leben des Christen. Paulus führt hier aber eine Unterscheidung ein. Er unterscheidet den Glauben an die Rechtfertigung aus Glauben von einem Glauben, der sich auf Werke gründet. Gemeint sind die Werke, die von der Torah geboten sind, nämlich die Einhaltung des Sabbats, die Beschneidung und die jüdischen Speisegebote.

 

Da die Observanz dieser Gebote nicht gerecht macht, wie Paulus an seiner eigenen Biographie erkannt hat, kann sie auch nicht die Bedingung für die Zugehörigkeit zur universalen Heilsgemeinschaft sein. Vielmehr kann Gott auch ohne diese Werke die gerecht machen, die an ihn glauben, auch wenn sie, bevor sie zum Glauben kamen, keine Juden, sondern Heiden, also nach jüdischen Sprachgebrauch Gottlose (goim) waren. Paulus benutzt also die Rechtfertigungslehre des Alten Testamentes als Begründung, um den Übertritt der Heiden zum Christentum ohne die Einhaltung des jüdischen Gesetzes, der Beschneidung, des Sabbats und der Speisegebote zu ermöglichen. Im Galaterbrief fasst er seine Lehre zusammen in den Worten: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ Dies ist das universale Evangelium, nach dem alle Welt gerichtet wird.

 

 

3. Die Rechtfertigung aus Glauben im Koran

 

Im Koran gibt es mehrere Stellen, in denen von Abraham die Rede ist. In Sure 21,60 ff heißt es: „Und vordem gaben wir Abraham seine Rechtschaffenheit, denn wir kannten ihn. Da er zu seinem Vater und zu seinem Volk sprach: Was sind das für Bildwerke, denen ihr so ergeben seid? Sie antworteten: Wir fanden unsere Väter bei ihrer Verehrung. Er sprach: wahrlich, ihr selbst sowohl wie eure Väter seid in offenbarem Irrtum gewesen. Sie sprachen: Bringst du uns die Wahrheit oder gehörst du zu denen, die Scherz treiben? Er antwortete: Nein, euer Herr ist der Herr des Himmels und der Erde, der sie erschuf und ich bin einer, der davon Zeugenden. Und bei Gott, ich will gewisslich gegen eure Götzen verfahren, nachdem ihr weggegangen seid. So schlug er sie in Stücke außer ihrem Obersten, damit sie sich an ihn wenden könnten. Sie sprachen: Wer hat unsern Göttern dies angetan? Er muss fürwahr ein Frevler sein. Sie sprachen: Wir hörten einen Jüngling von ihnen reden: Abraham heißt er. Sie sprachen: So bring ihn vor die Augen des Volkes, damit sie urteilen. Sie sprachen: Bist du es, der unsern Göttern dies angetan hat, o Abraham? Er sprach: Irgendjemand hat es getan. Ihr Oberster ist hier. Fragt ihn doch, wenn er reden kann.“

 

Die Formulierung: „Wir gaben Abraham seine Rechtschaffenheit“, ist eine Umformulierung des alttestamentlichen Zitates aus Gen 15,6 ansehen, wo es heißt: „Abraham glaubte dem Herrn und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.“ Denn das Passiv ist eine Umschreibung für ein Handeln Gottes. Im Koran ist es also Gott, der Abraham die Rechtschaffenheit verleiht. Aber es wird hier nicht deutlich, warum Gott Abraham seine Rechtschaffenheit gab. Es fehlt die Begründung durch den Glauben. Vielmehr bezieht sich die Rechtfertigung Abrahams hier auf das Werk der Götzenzerstörung, den Ikonoklasmus. Statt vom Glauben Abrahams ist die Rede davon, dass Gott ihn kannte. „Wir kannten ihn“, heißt es im göttlichen Monolog. Aber es wird auch gesagt, dass Abraham Gott als den Herrn über Himmel und Erde bezeugte. „Euer Herr“, sagt er, „ist der Herr des Himmels und der Erde, der sie erschuf und ich bin einer der davon Zeugenden.“ Vom Glauben Abrahams lesen  wir in einer anderen Sure.

 

Sure 2.231ff. : „Als der Herr zu Abraham sprach: Sei Gott ergeben, da sagte er: Ich habe mich ergeben dem Herrn der Welten. Und ebenso beschwor Abraham und Jakob seine Söhne: O meine Söhne, in Wahrheit hat Gott diesen Glauben für euch erwählt; sterbt also nicht als Nicht-Gottergebene. Und als der Tod Jakob nahte, da sprach er zu seinen Söhnen: Was werdet ihr nach mir anbeten? Und sie antworteten: Wir werden anbeten deinen Gott, den Gott deiner Väter Abraham, Ismael und Isaak, den einen Gott; ihm ergeben wir uns.“

 

Auch hier folgt der Koran zunächst dem Alten Testament, wenn er die Söhne Jakobs antworten lässt: „Wir werden anbeten deinen Gott, den Gott deiner Väter  Abraham und Isaak, den einen Gott“, nur erweitert er diese Formel um den Namen Ismaels, des älteren Sohnes Abrahams; denn die Muslime leiten ihre Abstammung von Abraham über Ismael her, während die Juden ihre Abstammung von Abraham über Isaak herleiten. Ismael ist der Sohn der Hagar, einer Ägypterin, der Magd der Sarah, während Isaak der Sohn der Sarah, also einer Hebräerin ist. Der Glaube Abrahams wird im Koran Gottergebenheit genannt. Aber die Begriffe Glaube und Gottergebenheit können synonym verwendet werden, woraus folgt, dass es auch im Koran Abrahams Glaube ist, der ihm zur Gerechtigkeit (Rechtschaffenheit) gerechnet wird; auch wenn dies nicht ausdrücklich gesagt wird, wird der alttestamentliche Wortlaut doch impliziert. Dies folgt aus der nächsten Sure, in der die Muslime zum Glauben Abrahams aufgerufen werden. Den Begriff Rechtschaffenheit übersetze ich mit Gerechtigkeit, dem hebräischen Wort Zedakah.

 

Sure 2,135f.: „Und sie sprechen: Werdet Juden oder Christen, auf dass ihr rechtgeleitet seid. Sprich: Nein, folget dem Glauben Abrahams, des Aufrichtigen; er war ein Hanif (ein Gottergebener) und keiner der Götzendiener. Sprecht: Wir glauben an Gott und was zu uns herabgesandt worden, und was herabgesandt ward Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und seinen Kindern, und was gegeben ward Moses und Jesus, und was gegeben ward allen andern Propheten von ihrem Herrn. Wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen. Und ihm ergeben wir uns.“

 

Hier entspannt sich ein Dialog zwischen dem Rezitator des Korans, dem Vorleser, und den Zuhörern. Es antwortet die Gemeinde der Glaubenden, die Umma, die in der dialogischen Rede unterwiesen werden soll. Die Umma sieht sich selbst in der Tradition der Propheten des Alten Testament bis zu Jesus und macht keinen Unterschied zwischen ihnen, zwischen dem, was sie gelehrt haben und dem, was zu uns herabgesandt worden ist, das ist die Lehre des Koran. Dabei bezieht sich der Rezitator in das Wir der Gemeinde ein. Es ist nicht der Prophet selbst, der hier spricht oder schreibt, sondern der Rezitator, der sich im Dialog mit der Gemeinde der Glaubenden befindet und das Glaubensbekenntnis entfaltet. Wenn der Koran im Plural redet, kann gemeint sein, dass es sich um einen göttlicher Monolog handelt, wie in der Wendung: „Wir kannten Abraham“, oder es kann sich auch um die Antwort der Gemeinde handeln, wie in der Wendung „Und ihm ergeben wir uns“.

 

Sure 3,66: Abraham war weder Jude noch Christ; doch er war Gott ergeben (Hanif), und er war nicht der Götzendiener einer.

Wieder wird der Glaube Abrahams als seine Abkehr vom Götzendienst oder vom Heidentum verstanden. Seine Emigration aus seiner ursprünglichen Heimat Mesopotamien wird, wie im Alten Testament, als Abkehr von den Götzen dieses Landes verstanden. Kann man also sagen, dass der Koran Abrahams Glauben als ein Verdienst versteht und seine Glaubensgerechtigkeit als Werkgerechtigkeit, dass sie ihm also aus Pflicht angerechnet wurde und nicht aus Gnade, wie es die jüdische Auslegung betont? Hierauf antwortet eine andere Textstelle.

 

Sure 2,140: „Oder wollt ihr sagen, Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und seine Kinder waren Juden oder Christen? Sprich: Wisst ihr es besser oder Gott?“

Dieser Dialog richtet sich gegen den jüdischen Glauben an die Erwählung Israels auf Grund der Abrahamskindschaft. Die Nachkommenschaft von Abraham, Isaak, Ismael und Jakob ist keine Garantie für das Heil, d.h. sie ist soteriologisch bedeutungslos, sagt der Koran. Da sie keine Juden waren, kann die Abstammung von ihnen keinen Heilsanspruch begründen. Hier wird eine ethnische Zäsur zwischen den Erzvätern Israels, die Hebräer waren, und den Juden vollzogen. Unter dem Begriff Juden wird im Koran nicht die rassische Abstammung von Abraham verstanden, sondern eine Religionszugehörigkeit. Ähnlich kann Paulus sagen: „Nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen, auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum auch Kinder, sondern nur, was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht heißen“ ( Röm 9,6). Paulus beruft sich hier auf 1. Mose 21,12. Dort heißt es:  „Gott sprach zu ihm: Lass es dir nicht missfallen wegen des Knaben und der Magd. Alles, was Sara dir gesagt hat, dem gehorche; denn nur nach Isaak soll dein Geschlecht benannt werden.“ Trotzdem lässt Paulus einen gewissen Vorteil zugunsten der Juden bestehen, weil sie die Verheißungen haben, die Väter und das Gesetz. Er kann seine Stammesangehörigen Feinde um des Evangeliums willen nennen, weil sie nicht an das Evangelium und damit an Christus glauben. Aber er nennt sie auch Geliebte um der Väter willen und kann sagen: „Das Heil kommt von den Juden.“

 

Im angeführten Zitat spricht der Koran mit der Autorität Gottes. Abraham hat an Gott geglaubt, bevor es Juden und Christen gab. Aber das Verständnis der Rechtfertigung ist bei Juden, Christen und Muslimen unterschiedlich. Zwar glauben sie alle an den einen Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde, aber die Bedingungen für das Heil sind unterschiedlich. Sind es im Koran die Abkehr von den Götzen und die Gottergebenheit, der Glaube Abrahams, die zur Rechtfertigung führen, so sind es im Alten Testament der Glaube Abrahams an die Verheißungen von Nachkommenschaft und die Landnahme und im Neuen Testament ist der Glaube Abrahams teils an die Bereitschaft Abrahams gebunden, seinen Sohn, den Isaak zu opfern, wie im Hebräerbrief (Hebr 11), der hier der jüdischen Auslegung folgt, teils aber ist sie allein an den Glauben an die Rechtfertigung des Gottlosen gebunden, wie bei Paulus im Römerbrief (Röm 4), der sich ganz von der jüdischen Auslegung gelöst hat. Der Mensch kann nach Paulus nichts tun, um das Heilswerk Gottes zu unterstützen, sondern allein der Glaube rechtfertigt ihn. Die Rechtfertigungslehre richtet sich bei Paulus gegen die am Gesetz orientierte Frömmigkeit des Judentums, die sogar von seinen judenchristlichen Gegnern zur Bedingung für die Aufnahme der Heiden in die Kirche gemacht wurde und bei Luther richtet sie sich gegen die katholische Lehre, in der sich der Mensch am Heilswerk Gottes beteiligen musste, während Luther dagegen die Meinung des Paulus vertrat, dass das Heil allein durch die Gnade gewirkt wird.

 

Während die Rechtfertigungslehre sowohl in der Antike, als auch in der Renaissance einen Aufbruch des menschlichen Selbstverständnisses zur Befreiung von Herrschaftsverhältnissen (Sklaverei) und politischer und kirchlicher Macht (Papsttum und Kaisertum) bewirkt hat, ist eine vergleichbare Wirkung im Islam bisher ausgeblieben, obwohl auch hier in der Gegenwart Befreiungsprozesse in Gang gekommen sind wie der arabische Aufbruch. Dass die Entwicklung des Islam einen anderen Weg beschritten hat als im Christentum, ist in der Aufklärung begründet. Damals hat das Christentum eine weitere Brechung erfahren. Erstens durch die Konfessionalisierung, die Spaltung der einen Kirche in verschiedene Konfessionen und zweitens durch den Toleranzbegriff, die Idee, dass verschiedene Wahrheiten nebeneinander existieren können, ohne sich gegenseitig auszuschließen und ohne sich gegenseitig bekämpfen zu müssen. Diese beiden Errungenschaften der Aufklärung ergeben sich aus der christlichen Botschaft von der Rechtfertigung aus Glauben, wurden aber gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt. Sie fehlen bis heute in den islamischen Staaten. Es gibt dort weder die mutuelle Anerkennung und Tolerierung unterschiedlicher islamischer Konfessionen, noch die der christlichen Religion. Die Religionsfreiheit, wie sie in den westlichen Verfassungen garantiert ist, und die eine weitere Errungenschaft der Aufklärung ist, ist noch nicht in die Verfassungen der meisten islamischen Staaten aufgenommen worden. Hier besteht ein Nachholbedarf im Staatskirchenrecht der islamischen Staaten, die sich noch weitgehend mit einer Religion identifizieren und die Trennung von Staat und Kirche, wie sie besonders in Frankreich durch die Französische Revolution durchgesetzt wurde, nicht vollzogen haben. Man kann auch sagen, dass sie das Verhältnis von Staat und Kirche zueinander noch nicht definiert haben, wobei der Begriff Kirche hier nicht im Sinne von christlicher Kirche im engeren Sinn zu verstehen ist, sondern im Sinne von  Glaubensgemeinschaften, die in einem Staat vorkommen.

 

 

Literatur:

Angelika Neuwirth: Der Koran als Text der Spätantike:  Ein europäischer Zugang, Berlin: Verlag der Weltreligionen Inselverlag 1. Aufl. 2010

Die Korantexte werden zitiert nach der Übersetzung von Prof. Korchide, Münster  

 


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