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Dr. Karlheinz Lipp
Friedrich-Wilhelm-Straße 42, 12103 Berlin

 

 

Der Religiöse Sozialist Paul Tillich als Opfer der Bücherverbrennung 1933

 

Paul Tillich zählte in der Weimarer Republik zu den wichtigsten Theoretikern des Religiösen Sozialismus. Gerade in den Endphase der Weimarer Republik kritisierte er mehrfach und deutlich den aufkommenden Nationalsozialismus in Kirche und Gesellschaft – und verlor deshalb im NS-Staat seine Professur in Frankfurt am Main und seine Werke wurden ein Opfer der Kulturbarbarei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933.

 

 

Tillich an der Universität Frankfurt am Main 1928-1933

 

Im Jahre 1928 wurde Tillich (als Nachfolger von Max Scheler) an die Universität Frankfurt am Main berufen und lehrte dort von 1929 bis zum Frühjahr 1933 als Professor für Philosophie und Soziologie. Hier traf er auf zwei weitere Religiöse Sozialisten, nämlich den Wirtschaftswissenschaftler Adolph Löwe und den Sozialpädagogen Carl Mennicke.

 

Die Universität Frankfurt genoss in den letzten Jahren der Weimarer Republik den Ruf einer progressiven Wirkungsstätte im Sinne einer geistigen Linken. Dazu trugen, neben dem Kreis um Tillich, u.a. folgende Wissenschaftler bei: Karl Mannheim (Soziologe), Hugo Sinzheimer (Rechtssoziologe), Hermann Heller (Staatsrechtler und Soziologe), Martin Buber (Religionsphilosoph), Max Kommerell (Literaturhistoriker), Ernst Kantorowicz (Historiker), Max Wertheimer (Gestaltpsychologe) sowie Hendrik de Man (Sozialpsychologe).

 

Interessant war das Verhältnis Tillichs zu den führenden Köpfen des Instituts für Sozialforschung.

Theodor W. Adorno, der faktisch Tillichs Assistent war, habilitierte sich Anfang 1931 mit einer Arbeit über Kierkegaard bei dem Religiösen Sozialisten. Max Horkheimer hatte seine Stelle als Direktor des Instituts vor allem Tillichs Verhandlungsgeschick zu verdanken, da Hausberufungen an der Universität absolut unüblich waren.

 

Von den Nationalsozialisten wurde die Frankfurter Universität als „Neu-Jerusalem am fränkischen Jordan“ diffamiert. Nachdem im Juli 1932 SA-Männer und NS-Studierende in die Universität eindrangen, um jüdische und linke Studierende zu attackieren, verteidigte Tillich als Dekan der Philosophischen Fakultät in einer öffentlichen Rede die Angegriffenen, forderte die Freiheit von Denken und Handeln sowie den Ausschluss von NS-Studierenden.

 

Am 18. und 25. März (also kurz nach dem „Ermächtigungsgesetz“) erschienen zwei Artikel in der Frankfurter Zeitung, in denen die Frankfurter Universität als antideutsche, jüdische Lehrstätte des Kulturbolschewismus angegriffen wurde. Tillich selbst wurde als „Verkörperung des Feindes“ verunglimpft und bedroht.

 

 

Die Zeitschrift „Neue Blätter für den Sozialismus“ 1930-33

 

Im Jahr der Weltwirtschaftskrise 1929 trat Tillich der SPD bei, jedoch blieb stets seine Distanz zur Partei. Als Mitherausgeber der „Neuen Blätter für den Sozialismus“ wollten er und sein Kreis ein unabhängiges sozialistisches Organ (Schriftleiter: August Rathmann) publizieren, um die geistige und politische Gestaltung hin zu einem Sozialismus voran zu bringen. Mit der Reichstagswahl vom 14. September 1930 gelang der NSDAP der Sprung von einer Splitterpartei zur zweitstärksten Fraktion des Parlaments. Von nun an bedeutete der Kampf gegen die Gefahr des Nationalsozialismus einen weiteren wichtigen Aspekt dieser Zeitschrift.

 

Mitglieder dieses Kreises bildeten einen aktiven Teil des späteren Widerstandes gegen den NS-Staat: Theodor Haubach, Adolf Reichwein, Ernst von Harnack, Hermann Maass und Adam von Trott zu Solz wurden hingerichtet, Lothar Erdmann im KZ Sachsenhausen ermordet. Emil Lederer und Hugo Sinzheimer starben im Exil. Fritz Klatt erlag nach Kriegsende den Folgen der NS-Gewalttaten. Carlo Mierendorff starb bei einem Bombenangriff.

 

 

Offener Brief gegen die Regierung Franz von Papen 1932

 

In seiner Schrift „Das Problem der Macht“ (1931) warnte Tillich sozialistische Gruppen davor, angesichts der zunehmenden faschistischen Gefahr leichtfertig auf Macht zu verzichten. Der aktuelle politische Hintergrund war die Tolerierung der Präsidialregierung Brüning nach dem gescheiterten Reichshaushalt für 1930 durch die SPD. Brünings Politik enthielt drastische Kürzungen der Sozialleistungen und Löhne, Erhöhung der Steuerbelastungen für die arbeitende Bevölkerung, Subventionen für Industrie, Banken und Großagrarier.

 

Ende Mai 1932 wurde der Zentrumspolitiker vom Reichspräsidenten Hindenburg entlassen und Franz von Papen zu seinem Nachfolger ernannt. Dessen „Kabinett der Barone“ verfügte u.a.: Unterschreitung der Tariflöhne durch die Unternehmer um bis zu 20 Prozent, strafrechtliche Verfolgung der Gewerkschaften bei Gegenmaßnahmen, Kürzung der Sozialleistungen für Arbeitslose und Rentner um 15 bis 24 Prozent.

 

Papens Politik forcierte ferner einen deutlichen Rechtsruck. So wurde das Verbot der SA, das  Brüning verfügte, wieder aufgehoben. Am 20. Juli 1932 holte Papen zum „Preußenschlag“ aus, indem er mit Verordnungen des Reichspräsidenten die SPD-Regierung Preußens absetzte. Für die antidemokratischen Kräfte in Deutschland bedeutete diese Ausschaltung einer stabilen Stütze der Demokratie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Macht. 

 

Tillich antwortete sehr kritisch, wie auch der Religiöse Sozialist Emil Fuchs, auf die Regierungserklärung des neuen Reichskanzlers: „Ein Kabinett, das auf dem Bündnis von Groß-Industrie, Groß-Agrariertum und Militär herrscht, spricht in einer verhältnismäßig kurzen programmatischen Erklärung von Gott und Christentum […]. Die Regierungserklärung beschwört mit ihrer Berufung auf das Christentum die Gestalt Christi; und gleichzeitig verwirft sie den Versuch, dem Willen zur sozialen Gerechtigkeit und zum Schutz der Schwachen wirksamen, d.h. sozialpolitischen Ausdruck zu geben. Sie spricht von Zermürbung der moralischen Kräfte des Volkes und beruft sich für die Preisgabe des Proletariats an die Willkür kapitalistischer Herrschaftsformen und die Zufälle der Konjunktur auf die unveränderlichen Grundsätze der christlichen Weltanschauung.

 

Sie erklärt sich für die christlichen Kräfte des Volkes und belegt das geistige Ringen der letzten Jahrzehnte um wahrhaftigere Ausdrucksformen ihres religiösen und sittlichen Bewusstseins, […] mit dem demagogischen Schimpfnamen ‚Kulurbolschewismus’. […] Sie klagt über den Klassenkampf, während sie zugleich den Klassenkampf von oben in schärfster Form ankündigt und die Gemeinschaft mit allen Gruppen aufhebt, die sich ihrem Programm nicht unterwerfen wollen. […] Der Verdacht, dass die christliche Weltanschauung eine ideologische Waffe von Feudalismus und Kapitalismus ist, findet von neuem reichlich Nahrung“ (P. Tillich, Impressionen, S. 179-181).

 

 

Tillichs zehn Thesen von 1932 gegen den Nationalsozialismus

 

Ebenso zutreffend muss Tillichs Analyse des Nationalsozialismus aus dem gleichen Jahr 1932 gesehen werden. Zu dem Thema „Die Kirche und das Dritte Reich“ verfasste der Religiöse Sozialist für einen Sammelband von Leopold Klotz zehn prägnante Thesen.

 

„1. Ein Protestantismus, der sich dem Nationalsozialismus öffnet und den Sozialismus verwirft, ist im Begriff, wieder einmal seinen Auftrag an der Welt zu verraten.

2. Scheinbar gehorsam dem Satz, dass das Reich Gottes nicht von dieser Welt ist, zeigt er sich, wie schon häufig in seiner Geschichte, gehorsam den siegreichen Gewalten und ihrer Dämonie.

3. Sofern er den Nationalismus und die Blut- und Rassenideologie durch eine Lehre von der göttlichen Schöpfungsordnung rechtfertigt, gibt er seine prophetische Grundlage zugunsten eines neuen offenen oder verhüllten Heidentums preis und verrät seinen Auftrag für den einen Gott und die eine Menschheit zu zeugen.

4. Sofern er der kapitalistisch-feudalen Herrschaftsform, deren Schutz der Nationalsozialismus tatsächlich dient, die Weihe gottesgewollter Autorität gibt, hilft er den Klassenkampf verewigen und verrät seinen Auftrag, gegen Vergewaltigung und für die Gerechtigkeit als Maßstab jeder Gesellschaftsordnung zu zeugen.

5. Der Protestantismus ist in schwerster Gefahr, diesen für ihn auf weite Sicht verderblichen Weg zu gehen. Ihm fehlt seit seinen Anfängen eine von den weltlichen Mächten und nationalen Trennungen unabhängige tragende Gruppe. Ihm fehlt ein prophetisch begründetes, gesellschaftskritisches Prinzip. Ihm fehlt auf lutherischem Boden der Wille, die Wirklichkeit nach dem Bilde des Reiches Gottes zu gestalten. Er ist in Deutschland soziologisch fast nur noch getragen von den Gruppen, die hinter dem Nationalsozialismus stehen, und ist dadurch ideologisch und politisch an sie gebunden.

6. Offizielle Neutralitätserklärungen der kirchlichen Instanzen ändern nichts an der tatsächlichen Haltung weitester evangelischer Kreise, Theologen und Laien. Sie werden vollends wertlos, wenn gleichzeitig kirchliche Maßnahmen gegen sozialistische Pfarrer und Gemeinden getroffen werden und Theologen, die dem heidnischen Nationalsozialismus entgegentreten, bei der Kirche keinerlei Schutz finden.

7. Der Protestantismus hat seinen prophetisch-christlichen Charakter darin zu bewähren, dass er dem Heidentum des Hakenkreuzes das Christentum des Kreuzes entgegenstellt. Er hat zu bezeugen, dass im Kreuz die Nation, die Rasse, das Blut, die Herrschaft in ihrer Heiligkeit gebrochen und unter das Gericht gestellt sind.

8. Der Protestantismus hat seinem Wesen nach nicht die Möglichkeit, sich in einer bestimmten politischen Richtung darzustellen. Er muß die Freiheit von sich selbst darin bewähren, dass Protestanten jeder politischen Partei angehören können, selbst denjenigen, die den Protestantismus in seiner kirchlichen Verwirklichung bekämpfen. Er muss aber jede Partei wie überhaupt jedes menschliche, auch kirchliche Tun unter das Gericht und die Hoffnung der prophetisch-urchristlichen Reichgottesverkündigung stellen.

9. Auf diese Weise kann er dem politischen Wollen der im Nationalsozialismus zusammengeschlossenen Gruppen ein ihrer sozialen Not gemäßes, wahrhaftiges und gerechtes Ziel zeigen und die Bewegung befreien von den volks- und menschheitszerstörenden Dämonien, denen sie heute unterworfen ist.

10. Ein offenes oder verstecktes Bündnis der protestantischen Kirchen mit der nationalsozialistischen Partei zur Unterdrückung des Sozialismus und Bekämpfung des Katholizismus muss nach gegenwärtigem Machtzuwachs der Kirchen zu zukünftiger Auflösung des deutschen Protestantismus führen“ (P. Tillich, Impressionen, S. 177-179, Hervorhebungen im Original).

 

 

Das Jahr 1933

 

Anfang Januar 1933 erschien im Potsdamer Verlag Alfred Sprotte, der auch die „Neuen Blätter für den Sozialismus“ verlegte, Tillichs „Die sozialistische Entscheidung“. Nur noch einige Exemplare konnten in den Buchhandel ausgeliefert werden, denn am 30. Januar wurde Hitler zum neuen Reichskanzler ernannt. Das Buch wurde sehr bald verboten, eingestampft und ein Opfer der Bücherverbrennung.

 

Tillich beschrieb die Intention seines Buches so: „Entscheidend für Impuls und Durchführung der Schrift waren die politischen Ereignisse der letzten Jahre, der Rückgang des politischen Einflusses der Sozialdemokratie, die anscheinend endgültige Spaltung der proletarischen Arbeitskraft, der Siegeslauf des Nationalsozialismus, die Konsolidierung der spätkapitalistischen Mächte auf militärischer Grundlage, die wachsende Gefährdung der außenpolitischen Lage“ (P. Tillich, Die Sozialistische Entscheidung, S. 220).

 

Am 13. April wurde Tillich und Horkheimer die Beurlaubung mitgeteilt. Damit gehörte Tillich zu den allerersten nichtjüdischen Professoren in Deutschland, die aus politischen Gründen ihres Amtes enthoben wurden. Die Grundlage des NS-Staates hierfür bildete das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933, das für jüdische und antinationalsozialistische Beamte die Beurlaubung bzw. Entlassung bedeutete und ganz gezielt rechtzeitig vor dem Beginn des Sommersemesters in Kraft trat.

 

Nach der Suspendierung reiste Tillich durch Deutschland und besprach sich mit Freunden, die ihn erst nach vielen Gesprächen endlich davon überzeugen konnten, Deutschland bald zu verlassen – er wollte eigentlich nicht ins Exil gehen. Am 20. Dezember erfolgte die endgültige Entlassung aus dem Staatsdienst.

 

Bereits am 3. November erreichten Hannah und Paul Tillich mit ihrer Tochter Erdmuthe New York. Im Alter von 47 Jahren und mit geringen englischen Sprachkenntnissen begann nun in den USA ein völlig neuer Lebensabschnitt, zunächst in New York und später in Chicago.

Im Jahre 1935/36 wurde Tillich Vorsitzender der Organisation Selfhelp for German Emigrees (nach Beginn des Zweiten Weltkrieges: Selfhelp of Emigrees from Central Europe). Mit der politischen Umkehr Deutschlands nach dem Kriegsende beschäftigte sich der Council for a Democratic Germany. Chairman des Council wurde Paul Tillich, der bei der Gründung des Council am 17. Juni 1944 das „Programm für ein demokratisches Deutschland“ nach einem Ende des Zweiten Weltkrieges vorstellte.

 

 

Die Bücherverbrennung in Frankfurt am Main am 10. Mai 1933

 

Während des Zweiten Weltkrieges hielt Tillich, wie auch Thomas Mann und Johannes R. Becher, politische Radioansprachen, um vor allem dem deutschen Widerstand gegen den NS-Staat Mut zuzusprechen. In seiner Rede vom 18. Mai 1942 erinnert sich Tillich an die Bücherverbrennung in Frankfurt am Main neun Jahre zuvor.

 

„Viele von Euch haben noch ein Bild von den Ereignissen jenes Tages. Ich habe sie an einer besonders günstigen Stelle erlebt und will Euch berichten, wie sie sich mir eingeprägt haben, bedeutungsvoll, unheimlich, unvergesslich. Es war in Frankfurt am Main. Wir standen am Fenster des ‚Römer’, des alten Krönungshauses deutscher Kaiser. Auf dem mittelalterlichen Platz drängten sich die Massen, zurückgehalten von Braun- und Schwarzhemden. Ein Holzstoß war aufgeschichtet. Dann sahen wir Züge von Fackelträgern aus den engen Straßen hervorquellen, eine unendliche Reihe in studentischen und Partei-Uniformen. Das Licht der Fackeln flackerte durch die Dunkelheit und beleuchtete phantastisch die Giebel der Häuser. Ich dachte an Gemälde aus der Zeit der spanischen Inquisition.

 

Am Ende holperte ein Karren, gezogen von zwei Ochsen, über den Platz, er war beladen mit den Büchern, die als Opfer ausgewählt waren. Hinter dem Karren schritt der Studentenpfarrer. Als man vor dem Scheiterhaufen angekommen war, stieg der Pfarrer auf den Karren und hielt die Verdammungsrede. Er warf das erste Buch auf den nun entzündeten Holzstoß. Hunderte von anderen Büchern folgten. Die Flammen züngelten hoch und beleuchteten das Traumbild, das doch Gegenwart war. Die Zeit war um zweihundert Jahre rückwärts gelaufen“ (P. Tillich, An meine deutschen Freunde, S. 41f.).

 

Tillichs Ehefrau Hannah erinnerte sich nur an eine geringere Zahl von Zuschauern und Gaffern (vgl. H. Tillich, Ich allein bin, S. 145). Vermutlich nahmen ca. 15.000 Personen an der Bücherverbrennung auf dem Römerberg teil.

 

Bei dem von Paul Tillich angesprochenen Hochschulpfarrer handelte es sich um Otto Fricke (1902-1954), der in Göttingen bei Emanuel Hirsch, einem führenden Vertreter der nationalsozialistischen Deutschen Christen, studierte. Fricke hielt die „Brandrede“ zur Eröffnung des Spektakels, das vor allem von Professoren und Studierenden der Universität organisiert wurde. Der Pfarrer verwies positiv auf die Bücherverbrennung des Wartburgfests (1813) und betonte, dass sich die Jugend gegen alle Schriften, die „undeutsch“ seien, wehren müsse. Fricke beendete seine Rede „mit einem Heil auf das deutsche Vaterland und den Volkskanzler Adolf Hitler“ und unterstützte damit, wie auch sein Lehrer Hirsch, den NS-Staat.

 

Einige Zeit nach der Bücherverbrennung wechselte Fricke zur Bekennenden Kirche und erhielt daher Predigt- und Unterrichtsverbot. Weitere Disziplinarmaßnahmen des Staates und der Kirchenleitung in Darmstadt bis hin zur Gestapohaft folgten. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Fricke zu den Gründern der CDU in Frankfurt.

 

Eine amtliche Liste der verbrannten Bücher existiert nicht, aber es gibt verschiedene Listen, die eine Gesamtbilanz ergeben. Aus dem näheren Umfeld Tillichs wurden Werke seiner Freunde, der Ökonomen Eduard Heimann und Adolph Löwe (im Londoner Exil umbenannt in Lowe) sowie des Sozialpädagogen Carl Mennicke verbrannt.

 

Aus dem weiteren religiös-sozialistischen Spektrum der Weimarer Republik vernichtete und verbot, nach Threß, der NS-Staat die Schriften von Günther Dehn, Emil Felden, Hendrik de Man und Paul Piechowski.

 

Im Mai 2001 errichtete die Stadt Frankfurt am Main auf dem Römerberg eine Gedenktafel mit den Namen von 53 Autoren, deren Schriften Opfer der Bücherverbrennung wurden – Paul Tillich fehlt.

 

Der Autor ist Gymnasiallehrer für Evangelische Religion und Geschichte in Berlin und Mitautor des geplanten Handbuchs zur Geschichte der Evangelischen Kirche der Pfalz im Nationalsozialismus.

 

 

Quellen und Literatur:

Becht, Lutz: Frankfurt am Main. In: Julius H. Schoeps/Werner Treß (Hg.): Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933. Hildesheim u.a. 2008, S. 335-350

Borinski, Fritz: Die „Neuen Blätter für den Sozialismus“. In: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung, 1981, S. 65-97

Liebner, Petra: Paul Tillich und der Council for a Democratic Germany (1933-1945). Frankfurt am Main u.a. 2001

Lipp, Karlheinz: Zur politischen Biographie des religiösen Sozialisten Paul Tillich. In: Neue Wege, 1995, S. 177-182

Ders.: Die Kritik der religiösen Sozialisten Paul Tillich und Emil Fuchs an der Regierung Papen im Jahre 1932. In: Ders.: Friedensinitiativen in der Geschichte. Herbolzheim 2002, S. 175-180

Spiegel, Yorick: Paul Tillich in Frankfurt (1929-1933). In: Dieter Stoodt (Hg.): Martin Buber, Erich Foerster, Paul Tillich. Evangelische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Frankfurt a. M. 1914 bis 1933. Frankfurt am Main u.a. 1990, S. 133-177

Stone, Ronald H.: Paul Tillich's Radical Social Thought. Atlanta 1980

Stumme, John R.: Socialism in Theogical Perspective. A Study of Paul Tillich 1918-1933., Missoula 1978

Threß, Werner (Hg.): Verbrannte Bücher 1933. Mit Feuer gegen die Freiheit des Geistes. Bonn 2009

Tillich, Hannah: Ich allein bin. Mein Leben. Gütersloh 1993

Tillich, Paul: An meine deutschen Freunde. Die politischen Reden Paul Tillichs während des Zweiten Weltkriegs über die „Stimme Amerikas“. Hg. von Karin Schäfer-Kretzler. Stuttgart 1973

(Ergänzungs- und Nachlassbände zu den Gesammelten Werken Paul Tillichs, Band III)

Ders.: Die sozialistische Entscheidung. In: Ders.: Christentum und soziale Gestaltung. Frühe Schriften zum Religiösen Sozialismus. Stuttgart 2. Aufl. 1962, S. 219-365 (Gesammelte Werke, Bd. II)

Ders.: Impressionen und Reflexionen. Ein Lebensbild in Aufsätzen, Reden und Stellungnahmen. Stuttgart 1972 (Gesammelte Werke, Bd. XIII)

Wehr, Gerhard: Paul Tillich in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1979

Wiggershaus, Rolf: Die Frankfurter Schule. Geschichte. Theoretische Entwicklung. Politische Bedeutung, München 6. Aufl. 2001

www.stadtgeschichte-ffm.de/service/gedenktafeln/buecherverbrennung.html

 


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