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Dr. Claudia Klemm
Mainstraße 10, 64347 Griesheim

 

 

Die Wallonen und die Entwicklung des Tuchmachens in Lambrecht/Pfalz*

 

 

Der heutige Tag des offenen Denkmals in Lambrecht/Pfalz bei Neustadt an der Weinstraße steht ganz im Zeichen der Tuchindustrie. Vielleicht haben Sie schon die Gelegenheit genutzt und einen Blick hinter die Kulissen geworfen – oder werden dies im Anschluss noch tun. Zwei Unternehmen – die ehemalige Tuchfabrik Gebrüder Haas und die Firma J.J. Marx haben heute ihre Tore geöffnet. Sie sind Teil einer weit zurückreichenden Tradition in Lambrecht. Die Führungen durch die historischen Büroräume, über das Firmengelände und die Präsentation haben etwas Konkretes und Greifbares gezeigt. Dort waren Sie am Ort des Geschehens.

 

Ich möchte Sie in eine etwas andere Welt begleiten und Ihnen einen kurzen abstrakteren und allgemeineren Überblick über die Entwicklung der Tuchindustrie hier am Ort geben. Mein Vortrag soll anhand einiger zentraler Faktoren zeigen, wie dieser Industriezweig entstanden ist, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren und wie sich die Tuchindustrie über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Mein Schwerpunkt wird dabei bei den Anfängen liegen, die weitere Entwicklung werde ich aber auch kurz skizzieren.

 

Mein Thema ist: Wie hat es in Lambrecht mit der Tuchindustrie angefangen? Wie sahen die Rahmenbedingungen aus? Welche Probleme gab es?

 

 

1568: Die Ankunft der Wallonen

 

Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir einen Sprung zurück in die Vergangenheit machen. Genauer gesagt: mehr als 440 Jahre zurück ins Jahr 1568. Es ist die Zeit zwischen der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ist Maximilian II. Politik und Religion gehören in dieser Zeit untrennbar zusammen. Sie bestimmen die Entscheidungen der Regierenden und das Leben der einfachen Bevölkerung. Allianzen werden geschmiedet, geistige und weltliche Führer kämpfen um Anhänger. In vielen Bereichen ist die bisher vertraute Welt aus den Fugen geraten. Politische Herrschaft wurde damals religiös legitimiert – die Herrscher regierten „durch Gottes Gnaden“. Doch was bedeute dies, wenn darüber diskutiert wurde, welche Konfession die richtige ist? Was war die Legitimation dann noch wert?

 

Ein Thema also mit großer politischer Sprengkraft. Ein Thema, das die Machtbasis betraf und weit weg war von unserem heutige, säkularen Verständnis, das auf eine weitgehende Trennung von Kirche und Staat setzt. Ein Thema aber auch, das den Alltag der einfachen Bevölkerung direkt beeinflusste. Während die Regierenden frei entscheiden konnten, welche Konfession in ihren Augen die Richtige war, hatte es die Bevölkerung schwerer. Seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555, der versuchte, im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eine gewisse Ordnung in die religiös-politischen Verflechtungen – zumindest zwischen Katholiken und Lutheraner – zu bringen, bestimmte der Landesherr die Religion seiner Untertanen. Die lateinische Kurzformel für diese Vereinbarung lautete: cuius regio, eius religio (wessen das Land, dessen die Religion).

 

Soviel zu den allgemeinen Rahmenbedingungen, die die Zeit rund um das Jahr 1568 prägten. Aber wie sah es damals in der Pfalz aus?

Die Pfalz wird zum damaligen Zeitpunkt von Friedrich III. regiert. Friedrich spielte sowohl politisch als auch in konfessionellen Fragen eine aktive Rolle und erhielt den Beinamen „der Fromme“. Seit 1559 war er Kurfürst und engagierte sich für die Lehren Calvins, dessen Bekenntnis er in der Pfalz einführte. Viele Lutheraner verließen daraufhin das Land, um bei einem Fürsten ihrer Konfession Zuflucht zu finden.

 

Dies war eine Ereignisabfolge, die sich in der damaligen Zeit unter jeweils unterschiedlichen Vorzeichen in vielen Territorien abspielte. Doch wie so oft in der Geschichte gab es aber immer auch noch andere Gründe, die Menschen veranlassten, ihre Heimat zu verlassen. Der Glaube war dabei ein wichtiges Element, aber auch Unzufriedenheit mit der Politik des Herrschers oder wirtschaftliche Gründe drängten Menschen in der damaligen Zeit zum Aufbruch in ein neues, aber ungewisses Leben. Denn wer konnte schon wissen, was am Ende eines langen, beschwerlichen Fußweges auf einen wartete.

 

Ein Zusammenspiel unterschiedlicher Gründe war es wahrscheinlich auch bei einer Gruppe Wallonen aus der Gegend um das heute belgische Lüttich und um das benachbarte Verviers. Das Gebiet gehörte damals zu den spanischen Niederlanden. Das bedeutete zum einen, dass die Niederländer von einem ausländischen Herrscher regiert wurden – was nicht überall auf Zustimmung stieß. Zum anderen bedeutete es auch, dass es ein katholischer Herrscher war, der seine Religion durchsetzen wollte. Andersgläubige aus diversen Landestrichen wurden verfolgt und mussten fliehen. Ziele waren Territorien, die von calvinistischen Herrschern regiert wurden oder Länder, die Andersgläubige tolerierten.

 

Viele flohen nach England und ins Gebiet des heutigen Deutschland. Einigen von ihnen gewährte der Pfälzer Kurfürst Friedrich III. Zuflucht – die Orte, die er ihnen 1562 zuwies, waren Frankenthal und Schönau bei Heidelberg. Dort siedelten 58 beziehungsweise 35 Flüchtlingsfamilien. Eine Gruppe, die 1568 die Pfalz erreichte, durfte sich im ehemaligen Kloster Sankt Lambrecht niederlassen. Allen Glaubensflüchtlingen gemeinsam war, dass sie aus einer Region stammten, die für ihre besonderen tuchmacherischen Fähigkeiten bekannt war. Dieses Wissen um die Produktion guten Tuches brachten die Flüchtlinge in ihre neue Heimat mit und versuchten, an das Gewerk aus ihrer alten Heimat anzuknüpfen.

 

Die dafür notwendige Infrastruktur fehlte dafür in Lambrecht. Nur wenige Bewohner gab es noch am Ort. Die Flüchtlinge hatten fast nichts, als sie hier ankamen: Ihr Arbeitsgerät und viele Dinge des täglichen Lebens mussten sie zurücklassen und nun neu beschaffen beziehungsweise herstellen. Hinzu kamen die Herrichtung von geeignetem Wohn- und Arbeitsraum sowie die Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Bereits 1570 – also zwei Jahre nach ihrer Ankunft – hatten die Wallonen sich so weit eingelebt, dass eine berufliche Betätigung möglich geworden war. Geschlussfolgert wird dies daraus, dass es in diesem Jahr in Lambrecht bereits eine Stauanlage gab, über die eine Walkmühle und eine Schleifmühle betrieben wurde. Der Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg war gelegt. Zwar gab es auch anderen Orts eine Tuchindustrie, doch besaß das Tuch der Wallonen eine besondere Qualität. Hinzu kam, dass in dieser Zeit es auch bei der einfachen Bevölkerung sich immer mehr durchsetzte, Tuch anstelle von Leinen zu tragen – der Absatz für das Produkt der Wallonen war somit gesichert.

 

Darüber hinaus genossen die Wallonen anfangs diverse Privilegien: Schutzverträge mit dem Kurfürsten garantierten ihnen in der ganzen Pfalz Handels- und Zollfreiheit. Wichtig war das deshalb, weil es damals noch zahlreiche Zollgrenzen gab und Ware nicht einfach von A nach B transportiert werden konnte. Auch die Weiterverarbeitung des Tuchs unterlag keinen Beschränkungen. Ergänzt wurden diese Freiheiten durch eine anfängliche Steuerbefreiung. Diese – um es in modernen Worten zu sagen – staatlich unterstützte Existenzgründung hatte natürlich nicht nur einen rein humanitär-religiösen Hintergrund, sondern muss auch als Wirtschaftsfaktor gesehen werden. Mit den Tuchmachern holte sich der Kurfürst auch Experten mit einem Spezialwissen ins Land, das ihn wirtschaftlich von anderen Territorien unabhängiger machte.

 

Auf dieser Basis der Privilegien, ihres eigenen Know-hows und ihres Fleißes konnten die Glaubensflüchtlinge in Lambrecht eine erfolgreiche Tuchproduktion etablieren. Völlig sorgenfrei war das Leben jedoch nicht, da die allgemeinen politischen Umstände unruhig blieben. Warum, zeigt ein Blick auf die in der Pfalz Regierenden. So hatte sich Friedrich III. zwar intensiv für den Calvinismus und die Glaubensflüchtlinge eingesetzt. Doch folgte sein erstgeborener Sohn, der spätere Kurfürst Ludwig VI. den Lehren Luthers. Sein anderer Sohn – Johann Casimir – hingegen, stand der Konfession seines Vaters näher. Einen Konflikt voraussehend und in Sorge um seine Schützlinge unterstellte Friedrich III. in seinem Testament deshalb einen Teil des Landes Johann Casimir und sicherte den dort siedelnden Wallonen ihre Sonderrechte zu.

 

1576 stirbt Friedrich, sein Sohn Ludwig wird Kurfürst. 1577 bestätigt Johann Casimir die von seinem Vater gewährten Sonderregelungen für die Wallonen. 1583 stirbt dann bereits Ludwig VI. Da sein Sohn noch minderjährig war, übernahm Johann Casimir die Vormundschaft – und entschied die Konfessionsfrage selbstverständlich wieder in seinem Sinne. (1592 übernahm Friedrich IV. – wiederum ein Lutheraner – die Regierung eigenständig).

 

Zunftgründung und Zunftordnung

 

Doch zurück nach Lambrecht und zu den dort siedelnden Wallonen, die versuchten, durch eine gute Organisation ihre wirtschaftliche Basis zu sichern – allen äußeren Umständen zum Trotz. Aus ihrer Heimat kannten die Wallonen genau festgeschriebene Regelungen für ihre Organisation und die Qualität ihrer Arbeit. Um auch in der neuen Heimat die Arbeit der Tuchmacher zu regulieren, Qualitätsstandards für das Tuch zu etablieren, Kontrollmechanismen festzulegen und den Tuchmachern eine Organisation zu geben, wurde 1580 eine Zunftordnung verfasst. Sie umfasst 36 Artikel und war mit den Wallonengemeinden in Otterberg (dort siedelten seit 1579 Wallonen) und Frankenthal abgesprochen.

 

Geregelt wurde darin unter anderem der Stücklohn für Gesellen und Hilfsarbeiter für das Schlagen der Wolle, das Spinnen, Spulen, Zetteln, Scheren, Weben, Walken, Waschen und Trocknen. Auch eine Lehrlingsordnung gehörte dazu. Die Zunftordnung legte außerdem vier Qualitätskategorien für Tuche fest. Diese waren abhängig von der Fadenzahl und wurden streng kontrolliert.

 

Stück für Stück entstanden auch repräsentative Bauten. In einem besonders schönen Beispiel dafür befinden wir uns gerade: das 1607 erbaute sogenannte „Zunfthaus“, das im Laufe der Geschichte für die Tuchmacherzunft eine besondere Rolle spielte. Oder auch das 1612 erbaute Wallonische Schulhaus in der heutigen Marktstraße 22.

 

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, von wie vielen Menschen wir denn überhaupt sprechen, wenn es um die Anfänge der Tuchindustrie in Lambrecht geht. Doch vorher noch eine kurze Anmerkung zum Begriff „Industrie“, der vielleicht etwas irreführend ist, weil viele dabei an große Fabrikhallen denken. „Industrie“ in der Zeit um 1600 bedeutet vor allem: Produktion zu Hause. Der Webstuhl steht im eigenen Haus – im Laufe der Zeit sind es auch mehrere Webstühle pro Familie. Eine aus heutiger Sicht industrielle Produktion setzt erst viel später mit der Einführung des mechanischen Webstuhls im 19. Jahrhundert ein.

 

Doch nach diesem Einschub noch einmal zurück zu den Wallonen. In der Lambrechter Ortschronik wird eine Schätzung für die Zeit vor 1618 vorgenommen – Dr. Ernst Collofong spricht basierend auf den Zunftunterlagen von 160 selbstständigen Meistern. Dazu kommen 150 unselbstständige Gesellen und Lohnarbeiter sowie etwa 50 selbstständige Walker, Färber und Tuchscherer. Produziert wurden in Lambrecht in der Zeit um 1600 etwa 1000 Stück Loden – jedes Stück mit einer Größe von 40 bis 50 Ellen (eine Elle ist zwischen 50 und 85 cm). Fünf Walkmühlen waren in dieser Zeit in Betrieb, um das Tuch zu walken und damit widerstandsfähiger und geschmeidiger zu machen.

 

Verkauft wurde das – mit dem Siegel der Lambrechter Zunft versehene – Tuch auf Jahr- und Wochenmärkten in der Kurpfalz. Auch auf Messen in Frankfurt, Straßburg und Metz waren die Lambrechter Tuchmacher vertreten. Die strenge Reglementierung der Zunftordnung sicherte Qualität und Preis der Ware sowie die gute Ausbildung des Tuchmachernachwuchses in Lambrecht.

 

Die bisher so erfolgreiche Entwicklung der Tuchproduktion in Lambrecht konnte leider nicht uneingeschränkt so weiter gehen. So wurde beispielsweise die Konkurrenz immer größer – unter anderem durch Mannheim, da Kurfürst Friedrich IV. dem Ort Privilegien bewilligte und die Tuchmacher dort keinem Zunftzwang unterworfen waren. Noch entscheidender aber waren die allgemeinen politischen Entwicklungen. Bereits anfangs habe ich erwähnt, dass wir uns in der Zeit zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg befinden. Und mit diesem brechen auch für die Lambrechter Wallonen harte Zeiten an. In der Pfalz hatte Kurfürst Max von Bayern die Stelle des Landesherren eingenommen. Sein Ziel war es unter anderem, die Bevölkerung zum katholischen Glauben zu bekehren. Außerdem zogen immer wieder kriegerische Truppen durch Lambrecht – an einen geregelten Betrieb war in dieser Situation nicht mehr zu denken.

 

Eine Vorstellung davon, was das für die Wirtschaftskraft bedeutete, liefert das Walkmühlenregister sowie die Einnahmen der Gemeinde aus der damaligen Zeit. Während um 1600 – wie bereits erwähnt – etwa 1000 Stück Loden zu verzeichnen waren, gibt es für die Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Register teilweise überhaupt keine Einträge. 1629 sind es gerade einmal 29 Stück. Die Gemeindeeinnahmen sehen nicht rosiger aus: 1618 sind noch Einnahmen von 1450 Gulden (fl) verzeichnet, 1623 sind es 220 Gulden und 1633 schließlich nur noch 25 Gulden, neun Batzen (wobei 15 Batzen einen Gulden ergeben).

 

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ging es in Lambrecht langsam wieder aufwärts. Ein Teil der vor den Kriegswirren Geflohenen blieb in der neuen Heimat, andere kamen wieder zurück nach Lambrecht. Erleichtert wurde dies, weil der damalige Kurfürst Karl Ludwig zum einen um die Rückkehr der Flüchtlinge bat – sie waren also willkommen. Zum anderen, weil er ihnen Vergünstigungen gewährte – für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser oder für die Neuansiedlung..

 

Anknüpfend an die erfolgreiche Zeit vor dem Krieg, wurde auch wieder ein Zunftordnung erlassen – auch die Version von 1664 beschäftigt sich wieder mit der Frage der Tuchqualität und schreibt Prüfungen vor – geprüftes Tuch muss dann gesiegelt werden mit dem Kurpfälzer Löwen, dem Zunftzeichen und dem Meister-Zeichen. Doch kaum begann die Industrie sich wieder zu erholen, standen neue kriegerische Auseinandersetzungen wie der Pfälzische Erbfolgekrieg vor der Tür, die Produktion ging erneut zurück. 1689 schließlich wütet ein Großbrand in Lambrecht – der Wiederaufbau verzögert sich.

 

Auch die religiöse Komponente spielte nach wie vor eine Rolle. In der inzwischen katholischen Kurpfalz waren die oftmals noch französisch sprechenden Flüchtlinge – auch das Zunftbuch wurde lange Zeit auf Französisch geführt – nicht mehr willkommen. In der Zeit um 1700 werden immer mehr der Namen mit französischer Herkunft eingedeutscht, die Sonderstellung damit immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Ein weiterer wichtiger Einschnitt mit Blick auf die Tuchindustrie in Lambrecht ist das Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1714. Der wirtschaftliche Wiederaufbau des Landes sollte gefördert werden – dazu zählte auch eine Unterstützung der heimischen Tuchindustrie. So sollten alle Hofbediensteten, die Leibgarde des Kurfürsten Carl Theodor (1743-1799) und das Heer mit heimischen Tuchen ausgestattet werden.

 

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde außerdem eine neue, den sich veränderten Umständen angepasste Zunftordnung erlassen. Die Verkündung der neuen Zunftordnung wurde feierlich begangen – mit einem Umzug, der hier am „Zunfthaus zur Farb Kipp“ startete. Erneut war der Aufschwung nicht von Dauer. Als Stichworte seien hier nur die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege genannt. Doch wie auch zuvor ging es danach mit der Tuchindustrie weiter.

 

Einen Einschnitt von ganz anderem Charakter stellte die beginnende Industrialisierung dar. Für die Anschaffung der neuen, mechanischen Webstühle war viel Kapital erforderlich – nicht jeder konnte sich dies leisten und so bildeten sich nach und nach verschiedene Tuchfabriken in Lambrecht. Die neuen Webstühle waren wesentlich leistungsfähiger als die Webstühle im Handbetrieb, so dass die Menge des produzierten Tuches rasch anstieg. Im 1882 gab es in Lambrecht zehn Tuchfabriken mit 160 mechanischen Webstühlen, 1912 waren es noch sieben Tuchfabriken, die zusammen aber bereits 280 Webstühle in Betrieb hatten und etwa 800 Arbeiter beschäftigten.

 

Die veränderten Arbeitsbedingungen machten auch eine andere Art der Ausbildung notwendig. 1876 entsteht deshalb in Lambrecht die Webschule, die bis 1974 Bestand hatte und die die Tradition und das Know-how des Tuchmachens weitervermittelt hat. Inzwischen – und sie merken, wir sind am Ende meiner Vortragszeit und gleichzeitig in der Gegenwart angekommen – gibt es keine klassische Tuchfabrik mehr in Lambrecht. Viele Unternehmen wurden geschlossen oder haben sich auf andere Produkte spezialisiert. Einzig die Firma Marx ist mit ihrer Spezialproduktion nach in einem verwandten Bereich tätig. Doch auch wenn heute hier kein Tuch mehr produziert wird, so hoffe ich doch, dass mein Vortrag gezeigt hat, wie entscheidend dieser Industriezweig und die Wallonen, die das Tuchmachen nach Lambrecht gebracht haben, für die Entwicklung und Gestaltung des Ortes waren.

 

Dieser Text ist das Redemanuskript für den Vortrag am „Tag des Offenen Denkmals“ in Lambrecht (Pfalz) am 12. August 2010 und wurde im Stadtratssaal der Stadt Lambrecht, im historischen Zunfthaus, vorgetragen. Die Darstellung beruht auf unterschiedlichen Quellen, vor allem auf der Chronik der Stadt Lambrecht, meiner Facharbeit „Die Wallonen in Lambrecht“ aus dem Jahr 1993, der Firmenchronik der Firma Marx von Herrn Metzinger sowie der Chronik der Webschule Lambrecht. Hinzu kommen zahlreiche Zeitungsartikel aus der Talpost und der Rheinpfalz sowie Veröffentlichungen anlässlich früherer Gedenktage.

Zur Veröffentlichung vorgeschlagen von Frank-Matthias Hofmann, Johanna-Wendel-Straße 15, 66119 Saarbrücken.

 


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