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Rezension

Helmut Aßmann
Herzogstr. 74, 67435 Neustadt a.d.W.


Ahmed Osman, Moses and Akhenation. The Sekret History of Egypt at the Time of the Exodus, 1990, 4. Aufl. 2002

Der Verfasser, geboren 1934 in Kairo, lebt seit 1964 in London und ist bereits bekannt durch sein Buch: Stranger in the Valley of the Kings. The Identification of Yuya as the Patriarch Joseph, London 1987 (siehe Deutsches Pfarrerblatt 1989/3).

Ich finde an diesem Buch bemerkenswert, wie der Verfasser ganz am Schluß versucht, den Mythos von Osiris und Horus auf historische Wurzeln zurückzuführen (S. 187f.).

Osiris, der rechtmäßige Pharao von Ägypten, mußte für lange Zeit sein Land und damit auch seinen Anspruch auf den Thron verlassen, um beides einem Usurpator zu überlassen. Aber Horus, der Sohn des Osiris, stellte Seth und tötete ihn.

Osman glaubt zu wissen, was dem Mythos zugrunde liegt. Der rechtmäßige Pharao ist kein anderer als Echnaton = Moses (sic!), dieser mußte seinen Thron aufgeben und floh mit seinen Anhängern in die Wüste. Nach dem Tod des Usurpators Haremhab (1335-1308) kehrte er jedoch zurück und machte seinen Anspruch auf den Thron erneut geltend. Er wird aber von dem neuen Pharao Ramses I. und seinem Sohn Seti I. in der Nähe der Grenzfestung Zaru gestellt und getötet. Der Mythos, der den Pharao mit Osiris gleichsetzt und an seiner Unsterblichkeit festhält, verkehrt also das historische Geschehen in sein Gegenteil. Nicht Osiris, sondern Seth wird getötet und zwar durch Horus, den Sohn des Osiris. Dieser Mythos bestimmte die ägyptische Religion seit der 19. Dynastie, die durch Ramses I. und Seti I. (1307-1291) begründet wurde, indem das kulturelle Gedächtnis die historischen Sachverhalte in ihr Gegenteil verkehrte. So wird Seti I. vom Usurpator des Throns zu Seth, dem Brudermörder, der seinerseits von Horus ermordet wird.

Diese kulturelle Inversion (Umkehrung historischer Prozesse im Mythos) ist einerseits politisch subversiv und andererseits stützt sie den Glauben an die individuelle Unsterblichkeit.

Haremhab ist danach der Pharao der Unterdrückung der Israeliten, Ramses I. der des Exodus, der aber nur eineinhalb Jahre regierte und vielleicht sein Ende in der Schlacht am Schilfmeer fand. Sein Sohn Seti I. wäre dann derjenige Pharao gewesen, der den Tod seines Vaters rächte. Ich vermute, daß hier eine logische Inkonsequenz des Verfassers liegt; denn der getötete Pharao = Osiris läßt sich auch auf Ramses I. und Horus auf Seti I. deuten. Allein der Name Seths, wenn er auf Seti gedeutet wird, macht die vom Autor gemeinte Umkehrung deutlich oder wahrscheinlich. Dann bleibt aber auch die Konsequenz die, daß Mose zu Osiris wird, dem durch die Ermordung Seths Gerechtigkeit widerfährt. Eine Darstellung, die das biblische Alter des Mose wahrscheinlich werden läßt, der nach 5. Mose 34,7 120 Jahre alt wurde; denn nach Osman ist er 1394 geboren und hätte so Seti I. (gestorben 1291) noch um einiges überlebt. Er hätte dann seine Regentschaft als Echnaton (1367-1350) mit 27 Jahren angetreten, wäre mit 44 in die Wüste gegangen, von dort 1308, also mit 86 zurückgekommen und hätte mit 103 im Jahr 1291 den Sturz Setis I. erlebt. Danach wären ihm noch weitere 17 Jahre beschieden, bis er unter Ramses II. (1290-1224) starb, in dessen 17. Jahr seiner Regentschaft.




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