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Sabine Fritsch

 

Rezension

 

Theo van der Felde, Du läufst mir nicht übers Wasser. Nicht ganz fromme Witze, München (Claudius-Verlag) 2006, 128 S., 9,80 Euro, ISBN 3-532-62335-8.

 

Darf man Witze über Religion machen? Seit geraumer Zeit beschäftigt diese Frage die Öffentlichkeit und nicht zuletzt wegen der heftigen Reaktionen auf Mohammed-Karikaturen weltweit.

 

Diese Frage wird unterschiedlich beantwortet werden je nach persönlichem Standort und Kultur, in der sich der oder die Antwortende bewegt.

 

Humor und christliche Religion haben eine lange Geschichte miteinander ausgehend von Kirchenmännern, die an Ostern Witze auf den Kanzeln erzählten, um ihre Gemeinde zum Lachen zu bringen, damit diese den Tod auslache als höchste Form der Verachtung des Todes und der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung. Aber auch das andere ist zu finden, die Ausgrenzung des Humors und nicht erst in strengen Formen des Calvinismus.

 

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Roman von Umberto Eco: Der Name der Rose. Darin vertritt der ehemalige Bibliothekar Jorge de Burgos die Position, dass Humor bzw. das Lachen den Respekt vor dem Glauben mindere und deswegen bekämpft werden müsse.

 

Unsere römisch-katholischen Geschwister haben eine lange Tradition mit Humor und Glauben in der Kirche, auch wenn man zugeben muss, dass beispielsweise karnevalistische Veranstaltungen, vielfach ursprünglich in katholischen Umfeld beheimatet, zunehmend aus Pfarrheimen herausgewachsen sind und sich säkular in weltlichen Gebäuden verselbständigt haben. So ist es sicher kein Zufall, dass bekannte Kabarettisten der Gegenwart auf eine gewisse katholische Prägung und Beheimatung zurückschauen können. Ein Witzbuch der besonderen Art hat Theo van der Felde bereits 2006 herausgegeben und damit gezeigt, dass man auch Witze über Religion machen kann, ohne dem christlichen Glauben, Minderheiten oder Frauen zu nahe zu treten. Mit feinem Humor und viel Theologie ist ein lesenswertes Büchlein entstanden. Kostprobe gefällig? Na denn: „Der Pfarrer klopft misstrauisch gegen das Mikrophon vor dem Altar und murmelt: ‚Mit dem Mikrophon stimmt doch was nicht?’ Brav antwortet die Gemeinde: ‚Und mit dem Geiste’.“

 


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