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Dr. Klaus Bümlein
Ludwigstraße 80, 67346 Speyer

 

Rezensionen

 

Ludwig Burgdörfer, Himmelfahrt für Aufsteiger. Heiter- nachdenklich durchs Kirchenjahr, Brunnenverlag Gießen, 2013, 192 Seiten, 7,99 Euro, ISBN 978-3-7655-4209-1

 

Das Taschenbuch umfasst weniger als 200 Seiten, aber es bietet erstaunlich vieles. Burgdörfer unternimmt eine Wanderung durch das ganze Kirchenjahr, einen Übungsweg, ja einen „Parcours“ vom Advent bis zu den letzten Sonntagen, vom „Starten und Warten“ vor Weihnachten bis zum „Trauern und Trauen“ am Ende.

 

Schon an den Doppel-Überschriften macht der Autor deutlich: Bei all den Stationen im Kirchenjahr geht es sehr direkt um uns: „Alle Befindlichkeiten unseres Menschseins werden da/alle Jahre wieder/absolviert und angeschaut“ (S. 12). Aber sie sind überall in Kontakt gebracht zu den biblischen Botschaften, den himmlischen Versprechen und Aussichten. Das wird sehr sinnfällig an den Überschriften der einzelnen Kirchenjahres-Zeiten; sie enthalten häufig zwei Verben. Bei Weihnachten: „Leben schenken und feiern“, zur Jahreswende: „antun und loslassen“, bei Epiphanias „segnen und wünschen“. In der zweiten Hälfte des Kirchenjahrs dann zu Trinitatis: „Dreisprung und Kniefall“, am Reformationstag „dazu stehen und bekennen.“

 

Anregend, aufregend werden die Betrachtungen durch eine ganz eigene Sprachform. Sie ähneln Meditationen, ja lyrischen Texten, mit immer neuen Zeilenanfängen. Aber Burgdörfer bleibt ganz nahe bei den alltäglichen Erfahrungen, den Missgeschicken, Glücksmomenten,  und Defiziten eigenen Erlebens. Dass die meisten dieser Skizzen heiter und ermunternd wirken, hat mit dem biblischen „Ober-Licht“ zu tun.

 

Besonders in seinem Element ist Burgdörfer, wenn er mit seiner Sprachkunst, seinem einfallsreichen Wortwitz Alltagswendungen, Redensarten aufgreift – und spielerisch variiert oder neu fasst. Vor allem gelingt es ihm, sehr alltägliche Bilder und Symbole für die biblischen Botschaften zu öffnen. Das ist ein Thema, das den Theologen und Prediger Burgdörfer schon lange beschäftigt. Seine Dissertation bei Prof. Walter Eisinger trug den Titel „Die Welt-Sprache Gottes“ (1995). Schon hier ging es ihm um „die Notwendigkeit säkularer Symbolsprache im Gottesdienst“ (S. VI). Burgdörfer ist auf diesem Weg weiter gegangen und hat für diese „Welt-Sprache“ ein weites Anwendungsfeld, dazu vielfältige Kommunikationsweisen entwickelt. Ein Beispiel: „Himmelwärts“ ist die zweite der Betrachtungen zu Christi Himmelfahrt überschrieben. Der Autor geht aus von dem frommen Blättchen mit dem Titel „Himmelwärts“, das er als Kind auszutragen hatte. Mit 13 Jahren wurde das zum „Imageproblem“. „Himmelwärts schien kein gutes Motto für einen,/ der erst einmal richtig in der Welt ankommen sollte.“ Und dann folgen Metaphern, in denen das biblische Verständnis des Himmels umkreist wird; „Der Himmel als Hafen/ und Fluchtpunkt/ und Endstation./ Der Himmel als Ort endgültiger Geborgenheit/ und Heimat.“ Diese Meditation zu Johannes 14,1-3 schließt so: „Der zweite Wohnsitz ist sozusagen schon angemeldet./ Wir werden erwartet./ Wir kommen am Ende wie gerufen./ Und wenn wir kommen,/ dann ist es wie im Himmel“ (S.130-132).

 

Dieses Spiel mit weltlichen Metaphern für das Himmlische, diese Arbeit an einer weltlichen Symbol-Sprache macht die Entwürfe originell und ungewöhnlich. Wer die komische Seite der Weihnachtsvorbereitung nachlesen will, der mag wie ich Vergnügen haben an dem Weihnachtsbaum-Einkauf. Was für Aufregungen vor dem Fest. „O Tannenbaum“ (S.28-33).

 

Der heitere Grundton macht Burgdörfers Auslegungen nicht harmlos. Ans Ende rückt er ein „Zwiegespräch mit dem rätselhaften Gott“, zu Psalm 18,2-7.17-20.47. Zuletzt die Bitten: „Komm mir nicht näher/ und bleib nicht so fern/ und nimm mich/ zwischen deine/ unbegreiflich handelnden Hände/ nur so fest,/ dass ich doch stehen kann/ zu mir“ (S. 191f.).

 

Natürlich ist eine solche Predigtkunst  nicht imitierbar; sie kann kaum einfach übernommen werden. Das war auch so bei dem Vorgängerbändchen von 2012 mit dem Titel „Wie der Zitronenfalter die Zitrone faltet“. Aber wer den einzelnen Skizzen aufmerksam nachgeht, wird eine Fülle von Anregungen entdecken, für das Verständnis der Feste im Kirchenjahr, für die eigene Auslegung. So ist es mir gerade bei diesem Büchlein ergangen. Eine Empfehlung für den Weg durch das neue Kirchenjahr!

 


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