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Dr. Paul Metzger
Weinstraße 35, 67278 Bockenheim

 

Debatte

 

Der Widerstand der Wirklichkeit

Ein Impuls zur Diskussion

 

Die Wirklichkeit ist widerständig, sie leistet Widerstand. Manche Vertreter einer gewissen Spielart des Konstruktivismus behaupten sogar, dass dieser Widerstand der letzte Beweis für eine Realität sei, die unseren Konstruktionen von Welt zuvor liege. Dass sie unseren Plänen widerstehe und wir sie notgedrungen in unsere deutenden Konstruktionen von Welt einbeziehen müssten, sei der Beweis ihres Daseins.

 

Für die Theologie und das kirchliche Handeln ist diese letzte Realität oft ein Fels, an dem Programme und Absichten zerschellen. Mit den positiven Erfahrungen und der Ermutigung des Zukunftskongresses in Kaiserslautern im Rücken möchte ich deshalb einen kleinen Impuls zum Dialog über die Zukunft unserer Kirche geben und zwei Probleme herausheben, die nicht einfach als „Herausforderung“ tituliert werden sollten, um sie positiv zu wenden. Ich tue dies auf dem – natürlich subjektiven – Hintergrund meiner vielen Gemeindebesuche und Gespräche mit Haupt- und Ehrenamtlichen als Referent zu theologisch-kirchlichen Themen.

 

 

Problem: Ehrenamt

 

Die protestantische Ekklesiologie macht im Grundsatz keinen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien. Ihre Ämter sind nicht sakramental aufgeladen, sondern vor allem funktional begründet. Die theologische Überzeugung vom Priestertum aller Getauften bildet die Grundlage dieser Konzeption. Diese – in meinen Augen richtige – theologische Weichenstellung führt dazu, dass in der Kirche alle Getauften im Prinzip alle Dienste der Kirche ausführen und alle Ämter verwalten können. Die Ordination stellt dabei zwar eine ordentliche Berufung in den Dienst dar, markiert aber keinen qualitativen Unterschied zwischen den Getauften. Deshalb ist es konsequent, wenn den „Nicht-Ordentlich-Berufenen“ (der Einfachheit halber im folgenden „Laien“ genannt) für die Leitung der Kirche die gleiche Verantwortung zugestanden wird wie den „Amtlichen“. Daher leitet das Presbyterium bzw. seine Pendants auf Bezirks- und letztlich Landesebene die Geschicke der Kirche.

 

Dieses demokratisch aufgebaute, synodale System hängt vom Zusammenspiel zwischen Amtsträgern und Laien ab. Wenn aber die Amtsträger weniger werden müssen, weil die Kirche weniger Finanzmittel hat, um diese zu bezahlen, dann gebietet die Logik der Mathematik, den Anteil der Laien, der Ehrenamtlichen zu erhöhen, um die Aufgaben der Kirche aufrecht erhalten zu können. Handlungsfelder, die nicht mehr von Amtsträgern bearbeitet werden können, müssen demnach entweder aufgegeben werden (was schmerzhaft sein wird und deshalb gerne vermieden werden soll) oder von Ehrenamtlichen aufgefangen werden. Deshalb betont das neueste Strukturpapier unserer Landeskirche („Mutig voranschreiten“) die Gewinnung von Ehrenamtlichen völlig zu Recht als eine Hauptaufgabe.

 

Hier scheint mir ein Problem in Sicht zu kommen. Während diejenigen, die an der Pflanzstätte des Glauben Dienst tun, sich an vielen Orten nahezu verzweifelt darum bemühen müssen, in erster Linie die vorgeschriebene Mitgliederzahl der Presbyterien zu erreichen, sprechen Träger überregionaler Dienste von einem Boom im Ehrenamt, und viele Statistiken sagen aus, dass angeblich die Zahl der Menschen steigt, die sich ehrenamtlich engagieren. Ich frage mich nur: Wo sind die ganzen Scharen von freiwilligen Helfern?

 

Ein zweites Problem taucht in diesem Zusammenhang auf. Viele Arbeiter (und immer ist mitzudenken: Arbeiterinnen etc.) des Herrn vor Ort sehen die Belastung ihrer Ehrenamtlichen und fragen nach Entlastung. Das läuft aber dem Trend der anvisierten zunehmenden Indienstnahme völlig entgegen. Diejenigen, die sich vor Ort noch tatkräftig ehrenamtlich engagieren, sind auf dem Markt der Möglichkeiten heiß begehrt und sollen sowohl in der Kirchengemeinde als auch im Heimat- oder Karnevalsverein mitarbeiten. Denn allen Vereinen brechen die Menschen weg, die sie tragen. Auch hier frage ich mich: Wie viel wollen wir denjenigen noch zumuten, die uns jetzt schon helfen?

 

Eine dritte Nuance weist das Problem auf, die fast zum Tabu geworden ist und in Pfarrkonventen nur unter der Hand oder beim inoffiziellen Teil ausgetauscht wird. Der Unmut, der in einigen Bezirkssynoden über ihre Landessynodalen angesichts der Debatte um die Zukunft der Kirche laut geworden ist, hängt damit zusammen. Oft sind und fühlen sich die Laien mit ihrer Verantwortung schlicht überfordert. Wenn sie aufgefordert werden, Rechenschaft über ihr Abstimmungsverhalten abzulegen, dann ist oft zu hören, dass hier die Konformität mit der gewünschten oder gefühlten Majorität in der Synode ein großes Motiv für sie war. Und in der Tat sind die Aufgaben, die schon ein Presbyterium heute erfüllen muss derart komplex, dass jeder Pfarrer es gerne nach Wunschberufen zusammensetzen würde: Juristen, Finanzfachleute und Architekten stehen da ganz vorne. Leider sind es aber gerade diese Berufsgruppen, die in ihrem Beruf derart gefordert sind, dass sie keine Kraft für ein solches Ehrenamt haben.

 

Die Zeit, in der die Einfluss-, Entscheidungs- und Leistungsträger einer Gemeinschaft es als Ehre und persönliche Verpflichtung ansahen, im Presbyterium auch die kirchlichen Geschicke ihres Ortes zu lenken, ist definitiv vorbei. Ungeachtet der theologischen Frage, ob das Presbyterium die Gemeinde in all ihren Schattierungen in seinen Mitgliedern abbilden soll, bleiben Aufgabe und Verantwortung des Presbyteriums für viele Laien eine Überforderung, der sie sich nicht stellen wollen. Dazu kommt die allgemeine Problematik des Ehrenamts, die sich in Projektorientierung und der Scheu vor langfristigen Bindungen äußert. Angesichts des allgemeinen Traditionsabbruches und der Entkirchlichung des privaten wie öffentlichen Lebens kommt auf den Amtsträger demnach nicht nur die Gewinnung von Presbytern als gegenüber früher ungleich schwierige Aufgabe zu, er muss nun auch seine gewonnenen Schäfchen ganz anders und intensiver bilden, um sie mit ihrer Kirche und der Verantwortung, die sie für sich tragen, vertraut zu machen. Oft erlebe ich auf den Gemeindeabenden, zu denen ich eingeladen werde, dass selbst Mitglieder von Presbyterium (und Pfarrgemeinderat) kaum noch wissen, wie ihre Kirche strukturiert ist.

 

Die Handbücher für Presbyterien werden anscheinend oft nur kurz aufgeschlagen, um sich wenigstens das Bild des Mannes einzuprägen, der vorne abgebildet ist. Deshalb freue ich mich stets, wenn sich Gemeinden an überregionale Dienste wenden, weil sie z.B. erklärt haben wollen, was eigentlich „reformiert“ ist oder wie sich die evangelische Kirche von der katholischen unterscheidet.

 

Eine vierte Nuance liegt in den gesellschaftlichen Veränderungen der Moderne begründet. Traurig mutet es an, wenn sich in der Gemeinde Kreise auflösen, die auf eine lange und fruchtbare Arbeit zurückblicken. Vor allem Frauenkreise sind hiervon betroffen. Sie bilden am deutlichsten die Einsicht ab, dass das Ehrenamt in der Kirche auch von vielen Frauen getragen wurde. Diese spüren aber zunehmend die Lust oder den Druck, berufstätig zu sein. Das Potential, auf das Gemeindekreise bauen konnten, wird damit in andere Bahnen gelenkt. Diese gesellschaftliche Entwicklung wirkt sich demnach für das kirchliche Ehrenamt negativ aus, da sich offenbar Männer traditionell eher weniger im kirchlichen Bereich engagieren.

 

Insgesamt begegnen daher viele Hauptamtliche der Hoffnung der Landeskirche mit großer Skepsis, die Zukunft der Kirche durch den Einsatz von Ehrenamtlichen sichern zu wollen.

 

 

Problem: Kooperation

 

Wenn die Hauptamtlichen weniger werden, dann setzt man gerne auf Kooperation von Gemeinden. Kooperationsregionen werden verordnet, die die Hauptamtlichen entlasten sollen, in Wirklichkeit aber zu geringer Akzeptanz unter ihnen und zu mehr Terminen führen. Man kann dies der mühevollen Phase der Einarbeitung zuschreiben und darauf hoffen, dass sich Gemeinden schon daran gewöhnen. Dieser Gedanke ist in der Tat nicht zu unterschätzen. Der Blick in die katholische Kirche, die solche Reformen dank ihrer hierarchischen Verfassung schneller umsetzen kann, zeigt aber, dass an der Basis der Unmut darüber groß ist und dass die Austrittszahlen ansteigen. Kirche scheint sich vor Ort doch am Pfarrer zu orientieren. Das moderne „Weihnachtschristentum“ (M. Morgenroth) schart sich um den, der für viele Menschen einmal im Jahr sichtbar ist, und es ist irritiert, wenn der Mensch in der Amtstracht nicht der ist, den sie vom vorigen Jahr kennen.

 

Die Erkennbarkeit von Kirche ist vor Ort offensichtlich immer noch am Gesicht des Amtsträgers abzulesen. „Einfliegende“ Pfarrer, die nur zu einer bestimmten Funktion in eine Gemeinde kommen, z.B. zum Konfirmandenunterricht, bleiben nahezu unbekannt und dienen nicht der Festigung der Gemeinde vor Ort. Die Identität der Ortsgemeinde geht verloren – und es ist zweifelhaft, ob sich eine Identität auf Regional- oder Bezirksebene bilden wird. Sieht man die dörflichen Rivalitäten unserer Landeskirche, die zwar oft spielerisch, aber doch bewusstseinsbildend sind, dann ist mehr als fraglich, ob sich übergeordnete Identitäten bilden werden, die ein Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen. Die „Heimat“-Kampagne der Landeskirche kann sicherlich so verstanden werden, dass die Landeskirche als übergeordnete Heimat etabliert werden soll, doch ist diese Größe soziologisch gesehen zu groß, um in einer unübersichtlich gewordenen Welt Zugehörigkeit zu vermitteln. Eine Beheimatung, die das persönliche Engagement im Ehrenamt erstrebenswert erscheinen lässt, scheint nur im unmittelbaren Umfeld möglich zu sein. Der im Marketing großer Firmen mehr oder minder erfolgreiche Gedanke einer „corporate identity“ lässt sich schwerlich auf die Kirche übertragen.

 

Auch hier gilt es ein Tabu anzusprechen. Nach meiner Wahrnehmung tun sich gerade Pfarrer schwer mit Kooperation.

Dies hängt mit der immensen Arbeitsbelastung im Amt zusammen, die viele Pfarrer kurz vor den Kollaps führt, da sie z.B. den immer mehr steigenden Verwaltungsaufwand zu Recht nicht zu ihrem genuinen Verkündigungsauftrag zählen. Der Zwang zur Kooperation erscheint aus dieser Perspektive wie ein weiterer Termin, der abzuarbeiten ist. Deshalb entsteht seit geraumer Zeit bei vielen Referenten überregionaler Dienste, die Gemeinden besuchen und Vorträge halten, der Eindruck, Gemeindepfarrer seelsorgerlich betreuen zu müssen, die unter der Last der Arbeit zusammenzubrechen drohen. 

 

Dass der berühmte und oft angepriesene Blick über den eigenen Kirchturm hinaus allein deshalb schwerfällt, ist daher leicht nachzuvollziehen. Dies mag aber auch mit einem gewissen Grad an psychologischem Profil der Menschen zu tun zu haben, die sich für diesen Beruf berufen sehen. Oft erscheinen sie als geborene Einzelkämpfer und „Allrounder“, die nicht gerne über ihre „eigene“ Gemeinde hinausblicken und es auch nicht gerne sehen, wenn sich Kollegen in „ihre“ Kirchengemeinde „einmischen“. Der Gedanke, dass ein Herr, eine Taufe, eine Kirche auch einen Pfarrer beinhaltet, kann hier unbewusst durchschlagen. Bereits ein „Teampfarramt“ scheint zuweilen mehr Arbeit unter den Kollegen zu produzieren als zu entlasten.

 

Diese Schwierigkeit potenziert sich auf der Ebene des Presbyteriums, dessen Zusammensetzung oft auch der persönlichen Amtsklugheit des Pfarrers geschuldet ist, die eben nicht bei jedem Pfarrer gleich ist. Von persönlichen Sympathien, die in zwischenmenschlich dominierten Berufen wie dem Pfarramt eine große Rolle spielen, kann sich organisationstechnisch nur schwer reden lassen. Diese Befindlichkeiten von Amtsträgern erschweren aber jede Kooperation.

 

Ein drittes Problem des Kooperationsgedankens liegt in seiner Anmutung. Es kann leicht bei Laien und Amtsträgern der Eindruck entstehen, die Kooperation leiste, dass wir alle Gruppen und Kreise, alle kirchlichen Handlungsfelder, die wir bisher bedienen, auch weiterhin mit Leben erfüllen könnten. Kooperation verführt dazu zu glauben, durch Mitarbeit anderer könne die gleiche Leistung erbracht werden, die man in der Gemeinde vor Ort selbst erbracht hat und nun eben nicht mehr alleine bringen kann. Dies ist ein Denkfehler. Die Kooperation wird dies nicht leisten, denn wenn weniger Menschen Kraft investieren können, dann nimmt diese Kraft auch und gerade dann ab, wenn sie diese an vielen Orten einsetzen. Von daher enthebt der Kooperationsgedanke uns nicht der Notwendigkeit, Prioritäten setzen zu müssen und letztlich dahin zu kommen, dass wir uns darüber verständigen müssen, was wir nicht mehr leisten können, wo wir uns zurückziehen müssen. Auf der einen Seite brauchen wir daher neue Aufbrüche, um die Anforderungen einer neuen Zeit zu bewältigen, auf der anderen Seite müssen wir gleichzeitig alte Strukturen aufgeben. Hier eine geschickte Balance zu finden, dürfte ein schmerzhafter Prozess werden, den eine noch so geschickte Kooperation nicht auffangen kann.

 

Obwohl die Einsicht so banal wie vollkommen richtig ist, dass nicht jeder Amtsträger alles gleich gut kann, und der Gedanke ausgezeichnet ist, dass jeder Amtsträger seine Stärken ausspielen und so für viele Gemeinden ein Gewinn werden kann, so bildet die Wirklichkeit hier ein nicht unerhebliches Hindernis für Kooperation.

 

 

Priorität: Bildung

 

Die Kirche wird nicht vermeiden können, Prioritäten zu setzen. Das erkennt das bereits erwähnte Strukturpapier ausdrücklich an. Wichtig ist hierbei, den eigentlichen Kern des kirchlichen Problems zu erkennen und anzugehen. Da der moderne Mensch zum Teil nämlich gar nicht mehr weiß, warum er überhaupt in der Kirche sein soll und diese als rein irdische Institution, in Analogie zu anderen Vereinen wahrnimmt, muss die Kirche dort ansetzen, wo sie ihre Plausibilität verloren hat.

 

Hier ist der längst als Problem erkannte Traditionsabbruch anzusprechen. Damit ist das Faktum gemeint, dass im Rahmen der Familie christliches Leben nicht mehr eingeübt wird und deshalb Grundlagen des Glaubens verloren gehen. Die Kirche verliert dadurch ihre traditionelle Bindekraft, was dazu führt, dass ihre Gemeindeglieder sich leichter von ihr als Institution trennen und andere schwerer dazu zu bewegen sind, sich in der Kirche zu engagieren. Dieses Problem ist eine Ursache für die beschriebene Problematik des Ehrenamts. Hier muss sich der Blick auf die Jugend und ihre Eltern richten und die allgemeine Religionspädagogik stärker gewürdigt werden. Es gilt dort zu investieren, wo der Traditionsabbruch zuerst begegnet: im Kindergarten, in der Schule, im Konfirmandenunterricht, in der Taufkatechese.

 

Da die Familie ihre Erziehungshoheit leider immer öfter an die staatlichen und kirchlichen Bildungseinrichtungen abzugeben scheint, muss hier ein Problem gesehen werden, das auch die Bezeichnung „Herausforderung“ verdient. In Kindergarten und Schule muss nachgeholt werden, was die Familie versäumt. Das gilt zwar für alle Bereiche des Lebens, für die Kirche ist es aber in besonderer Weise überlebenswichtig, dass sie ihre Lebensvollzüge darstellen und plausibel machen kann. Sie muss den jungen Menschen nicht nur deutlich machen, dass der christliche Glaube die entscheidende Lebensorientierung ihres Daseins ausmacht, sondern dass dies im Rahmen der Kirche geschieht. Kirche darf nicht losgelöst vom christlichen Glauben und seinem Deutungs- und Sinnstiftungspotential gesehen werden, sondern die Gemeinschaft der Glaubenden muss ebenso deutlich gesehen werden.

 

Deshalb ist in diesem Bereich ein besonderer Akzent zu setzen und die Vertreter der Glaubensgemeinschaften in den Bildungseinrichtungen besonders in die Verantwortung zu nehmen. Religionslehrer, Pfarrer im Schuldienst und Pfarrer in der Schule müssen besonders unterstützt und gefördert wie gefordert werden. Auf diesem Gebiet Einsparungen vorzunehmen, kann sich leicht als Fehlsteuerung erweisen. Wird nämlich die Chance beschnitten, die Heranwachsenden dort zu erreichen, wo sie der Kirche dank des Grundgesetzes „zwangsweise“ begegnen, limitiert die Kirche ihre eigenen Möglichkeiten. Begegnet man aber durch Bildung dem Traditionsabbruch, dann geht man dem Kern des kirchlichen Problems an die Wurzel.

 

 

Ausblick: Die Gelassenheit des Glaubens

 

Obwohl die bisherigen Ausführungen vielleicht den Eindruck erweckt haben, dass ich mich als Unheilsprophet betätigen will, bin ich doch fest davon überzeugt, dass unsere Kirche auch in Zukunft ihren Dienst für die Welt leisten wird. Denn wenn uns die Kirchengeschichte eins lehrt, dann ist es doch Gelassenheit. Das pornokratische Zeitalter der Päpste, die unseligen Glaubenskriege jeglicher Couleur und Epoche, die Unfähigkeit vieler Amtsträger in Vergangenheit und Gegenwart haben es nicht geschafft, die Kirche auf ihrem Weg zum Reich Gottes zu zerstören. Kirche lebt – und dies ist ein höchst theologischer und praktischer Satz – aus dem Geist Gottes. Der Geist Gottes garantiert die Gestalt der Kirche. Da braucht es nicht das oft wiederholte Mantra, dass unsere Kirche ärmer und kleiner werden wird, damit man durch die Wiederholung an den Schrecken gewöhnt wird und gleichzeitig ein gewisses Drohpotential wahrnimmt.

 

Die Geschichte zeigt, dass das zwischen irdischer und himmlischer Kirche gespannte Sein der Kirche uns zwar aus innerer Notwendigkeit nicht zur Ruhe kommen lässt, doch wir immer dabei auf die Verheißung des Geistes vertrauen dürfen. Die Gewissheit und die Gelassenheit des Glaubens dürfen wir nicht vergessen. Das heißt nicht, dass wir nun die Hände in den Schoss legen und alle Planungen ad acta legen dürfen. Das heißt auch nicht, dass wir im planungslosen „Weiter-wie-bisher“ verharren dürfen. Das heißt drittens nicht, dass wir Gottes Geist in unsere Planungen einbeziehen dürften. Sondern es bleibt dabei, dass wir handeln und planen müssen, etsi Deus non daretur, dass wir aber gleichzeitig zuversichtlich sein dürfen, dass Gottes Geist uns den Weg führen wird, der in Gottes Augen – und deshalb auch für uns – gut ist.

 

Von daher ist die Sorge um die Kirche zwar berechtigt, sie ist aber ein schlechter Ratgeber. Die Zukunft der Kirche liegt dann nicht in Strukturreformen begründet, sondern in der Art und Weise, in der es Kirche gelingt, dem modernen Menschen zu vermitteln, dass ihm etwas ohne sie fehlt (nämlich Gott) bzw. dass er in der Kirche etwas gewinnt, das er sonst nirgends finden kann. Die Kirche muss deshalb darauf bedacht sein, mehr Gott zu wagen und sich weniger im Irrgarten der „Wellness-Oasen“ und „Wohlfühltempel“ zu bewegen.

 

Wenn die Kirche es so schafft, Gott wieder als den Ursprung allen Seins und den entscheidenden Grund des ganz persönlichen Lebens dem Menschen einsichtig zu machen, dann ist die Zukunft der Kirche gesichert. Und weil Gottes Geist allein dies leisten kann, liegt die Zukunft der Kirche letztlich in Gottes Hand. Und wir arbeiten daran mit. An die Arbeit!

 

 


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