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Dr. Paul Metzger
Weinstraße 35, 67278 Bockenheim

 

 

 

Hört auf, in die Schlafzimmer zu gucken!

 

 

Der EKD fliegt eine Orientierungshilfe zur Familienpolitik um die Ohren. Die Kritik entzündet sich an wenigen Textpassagen, in denen das traditionelle Bild der Familie erweitert wird. Vor allem der Vorschlag, homosexuelle Paare als Familie ansehen zu können, schlägt hohe Wellen. Im Anschluss an diese Diskussion wird ein geplantes Papier zur Sexualität gar nicht mehr veröffentlicht.

 

Der römisch-katholischen Kirche wird von ihren eigenen Gläubigen zur gleichen Zeit bescheinigt, dass ihre Sexualmoral hoffnungslos veraltet ist und einfach nicht mehr interessiert. Die Gläubigen ignorieren nicht nur die einschlägigen Vorschriften, sie kennen sie nicht einmal mehr.

 

Doch nicht nur die Kirchen blicken anscheinend gerne in die Schlafzimmer. Selbst die intellektuelle Elite Deutschlands ist davor nicht gefeit. Die Schriftstellerin Sybille Lewitscharoff macht sich zum Beispiel Sorgen, was homosexuelle Paare, die aufabartigenWegen zu Kindern kommen, diesen antun könnten.

 

Der Hype um das Outing eines Fußballers ist das zweite Beispiel der Sexualisierung unserer Gesellschaft.

 

Da fragt man sich: Gibt es in dieser Welt keine anderen Themen als Homosexualität? Gerade die Kirchen sollten sich andere Sorgen machen. Die neuesten Ergebnisse der EKD-Mitgliederuntersuchung zeichnen ein dramatisches Bild, das nichts mit Homosexualität zu tun hat. Unserer Kirche bricht die Mitte weg. Die schmalen Ränder wachsen, vor allem der evangelikale. Da will man doch sagen: Hört auf, in die Schlafzimmer zu gucken. Macht das, was die Leute von euch erwartenwenn sie überhaupt noch etwas von euch erwarten.

 

Die Menschen wollen Sinn- und Deutungsangebote, sie wollen keine Vorschriften, keine Gebote. Sie wollen Perspektiven, die sie sich nicht selbst sagen können.

 

Der richtige Schluss aus der Studie besagt: Macht euren Job gut. Das geht vor allem an die Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort. Macht die Beerdigungen, die Trauungen, die Taufen, die Gottesdienste gut.

 

Aber wo bleibt die Zeit für Vorbereitungen, für Seelsorge? Vor lauter Kooperationsdruck, vor lauter Diskussion um das Pfarrerbild, vor lauter Regionalisierung. Lasst doch die Kirche im Dorf und zeigt, wie schön und nützlich sie ist. Wer den Pfarrer vor Ort persönlich kennt, der hat eine Beziehung zur Kirche. Aber dafür muss der Pfarrer Zeit haben und nicht durch Geschäftsführung und Sitzungsstress ausgelaugt werden. Wenn ein Pfarrer aber Zeit hat, dann kann er begeistern, dann kann er frohe Botschaft verkündigen. Dann gewinnt er Menschen, die mit ihm arbeiten wollen.

 


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