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Dr. Martin Schuck
Lindenstraße 19, 67346 Speyer

 

Editorial

 

Das Golgatha der Altäre

 

Vielen evangelischen Christen gilt die verweigerte Abendmahlsgemeinschaft seitens der katholischen Kirche wegen der Trennung am Tisch des Herrn als Skandal. Umgekehrt verbrechen sich evangelische Ökumeniker den Kopf darüber, wie das katholische Lehramt die Ausnahmen zur gastweisen Teilnahme von Christen anderer Konfessionen an der Eucharistie ausweiten könnte.

 

Diese Fixierung auf die „gemeinsame“ Eucharistie als ökumenisches Ziel ist nur schwer nachvollziehbar, wie das Schreiben der päpstlichen Kongregation für den Klerus vom 12. August 2013 mit dem Titel „Die tägliche Feier der Heiligen Messe auch in Abwesenheit von Gläubigen“ auf erschreckende Weise deutlich macht. Dort wird ein weitverbreitetes „Messe-Fasten“ der Priester beklagt, die nicht nur „werktags, ab und zu“, sondern „manchmal sogar jede Woche“ die Messe nicht zelebrieren und sie „somit auch den Gläubigen vorenthalten“. In manchen Fällen sei „der Priester der Ansicht, vor allem wenn er nicht auch direkt mit Seelsorge beauftragt ist, dass das tägliche Feiern der Messe nicht notwendig sei, wenn er sie nicht für die Gemeinschaft zelebrieren kann“. Übersetzt heißt dieser Satz: Es gibt Priester,  die das Feiern der Messe nur dann als sinnvoll empfinden, wenn gemeinsam gefeiert wird, und die keinen Sinn in einer nur um ihrer selbst willen zelebrierten Messe erkennen können. Verwerflich sei auch das Verhalten derer, die der Ansicht seien, dass sie in den Ferien das Recht haben „nicht zu arbeiten“ und deshalb das tägliche Zelebrieren der Eucharistie unterbrechen.

 

Die Kongregation begegnet dieser Haltung, indem sie erstens auf die Aussagen des Lehramtes zu diesem Problem verweist und zweitens theologische Gründe für das tägliche Zelebrieren, notfalls ohne Gemeinde, präsentiert. Ein Blick auf die theologischen Gründe bestärkt in der Haltung, nicht allzu traurig über den Ausschluss von der Eucharistie sein zu müssen.

 

Insgesamt werden vier theologische Gründe angeführt: Zum ersten sei die Messe „Privilegiertes Instrument zur Heiligkeit des Priesters“. Aus der Messe „schöpft der Priester die übernatürliche Kraft und nährt den Geist des Glaubens desjenigen, der ihn braucht, um sich Christus gleichgestalten zu können und ihm würdig zu dienen“. Die Messe sei vergleichbar mit der „Manna, die während der Flucht aus Ägypten jeden Tag gesammelt werden musste“; genauso müsse der Priester „jeden Tag an der Quelle der Gnade trinken, dem Opfer auf dem Golgatha, das sich in jeder Messe sakramental erneuert“. Entziehe sich der Priester dieser wichtigen Nahrung, laufe er Gefahr, einem „spirituellen Pelagianismus“ zu erliegen, der eher auf die Kraft des Menschen als auf die Gnade des Herrn setze.

 

Weniger spektakulär wird zum zweiten daran erinnert, die Zelebration sei die „wichtigste Pflicht des Priesters, seine Identität kennzeichnend“, und zum dritten wird mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeschärft, die Messe sei die vollkommenste Handlung pastoraler Liebe und es gäbe deshalb kein Handeln in der Nächstenliebe, das „größer wäre oder mehr Bedeutung hätte als die heilige Messe“.

 

Zum vierten wird dann abschließend das Golgatha-Motiv wieder aufgegriffen und beschrieben, wie die pastorale Liebe „in der heiligen Messe über die Grenzen von Zeit und Raum“ hinausgeht. In persona Christi erfülle der Priester mit der Zelebration eine Aufgabe, „die über die Wirkdimension der menschlichen Geste“ und damit auch „über die Grenzen des menschlich Erreichbaren“ hinausgehe. Dies gelte insbesondere „für den Wert des Verdienstes Christi, der sich in der heiligen Messe erneut dem Vater [hingebe], sich für uns und für Viele opfernd“. Im nächsten Satz folgt dann eine Gleichgestaltung zwischen dem einmaligen Opfer am Kreuz und dem täglichen und vielfachen Opfer „auf dem Golgatha der Altäre unserer Kirchen“. Ganz nebenbei gehören zu den Vielen, für die sich Christus in jeder Eucharistie opfert, die „verstorbenen Gläubigen, die danach streben, in die göttliche Ewigkeit einzugehen“ – aktuell aber noch nicht dort angekommen sind, weil sie noch im Purgatorium verharren.

 


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