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Traude Prün
Hauensteiner Straße 2, 66994 Dahn

 

 

Ein Fall für die Gleichstellungsstelle

Glosse zur Life-Work-Balance-Umfrage

 

Ein Fragebogen zur Life-Work-Balance aus der Gleichstellungsstelle flattert mir auf den Schreibtisch. „Gutes Thema“, denke ich. Habe ich doch oft genug erfahren, wie schnell diese Balance flöten gehen kann. Mit Genugtuung stelle ich also fest, dass sich der Landeskirchenrat persönlich der Sache annimmt. Wohlwollend nehme ich mir die Umfrage an meinem Pfarrerinnenmontag vor – nur um dann feststellen zu müssen: Meine Meinung ist gar nicht gefragt!

 

Ich muss den Fragebogen versehentlich erhalten haben. Gefragt sind nur Kolleginnen und Kollegen, die in einer Partnerschaft leben, und das tue ich nicht.

 

Genau genommen gibt es für die Life-Work-Balance-Steuerungsgruppe ganze drei Kategorien von Pfarrerinnen und Pfarrern: 1. Gruppe: „Pfarrerinnen mit einem nicht kirchlich beschäftigten Partner (Partnerin)“, 2. Gruppe: „Pfarrer mit einer nicht kirchlich beschäftigten Partnerin (Partner)“, 3. Gruppe: „Pfarrerinnen und Pfarrer mit Partnern im kirchlichen Dienst“.

 

Wo, bitte, sind die Pfarrerinnen und Pfarrer ohne Partner oder Partnerin? Life-Work-Balance ist offensichtlich nur ein Thema für Paare! Ich bin Single, gänzlich unbemannt und unbeweibt. Ich komme nicht vor. Ja, wenn ich wenigstens noch ein kleines lesbisches Verhältnis hätte, dann würde mir die wohlwollende Aufmerksamkeit meiner Kirche einen Platz in Gruppe 1 zubilligen, aber so? Ich muss leider draußen bleiben. Ich und auch meine fünf weiteren unbepartnerten Kolleginnen und Kollegen hier im Kirchenbezirk. Jedenfalls habe ich es jetzt schwarz auf weiß: Lieber lesbisch als ledig!

Mir scheint, da sind ein paar gleichstellungsgesinnte Köpfe etwas heftig aus der Balance geraten. Vielleicht hat auch das ein oder andere hinterhältige Aber-Glaubenssätzlein die Steuerungsgruppe gesteuert?

 

1. Aber-Glaubenssatz: Singles haben per se kein Life-Work-Balance-Problem.

Sie werden nachts schließlich nicht von schreienden Kindern geweckt und müssen ihre Zeitplanung nicht mit der des Partners abstimmen. Sie sind demnach fast arbeitslos und sehnen sich nur danach, irgendwo eine Vakanz, eine Elternzeit, ein Kontaktstudium vertreten zu dürfen.

 

Wenn die Steuerungsgruppe die Realität aushält, dann mag sie entdecken, dass auch Singles soziale Wesen sind, die Zeit und Planung brauchen, um ihre außerhäuslichen sozialen Kontakte zu pflegen. Und in der Gemeindearbeit können sie im Zweifelsfall eben nicht mal schnell auf eine helfende Hand aus der eigenen Familie zurückgreifen. Ihr Balance-Akt mag andere Schwerpunkte haben, aber ihn einfach zu disqualifizieren ist dreist.

 

2. Aber-Glaubenssatz: Echte Singles gibt’s gar nicht

So denken meine Konfis auch: Jeder normale Mensch hat einen Partner / eine Partnerin zu haben, alles andere kann nur krank sein. Ledig (im buchstäblichen Sinn des Wortes), verwitwet, geschieden, womöglich begabt mit der biblischen Gabe der Ehelosigkeit – das sind doch alles nur abgedrehte Ausnahmefälle. Berufsständig ist das zu vernachlässigen!

 

Wenn die Steuerungsgruppe eine Überraschung aushalten kann, dann lässt sie mal nachzählen, wie viele Kolleginnen und Kollegen tatsächlich nicht verheiratet sind. Nur Mut und fröhliches Augenwischen!

 

Nach dem Erwachen könnte dann vielleicht noch jemand mit dem Denken anfangen und sich fragen, warum gerade die Gruppe der ledigen Pfarrerinnen so beachtlich groß ist. Möglicherweise liegt das gar nicht daran, dass das alles beziehungsunfähige Sozialkrüppel sind, sondern am Beruf selber. Womit wir beim Thema wären.

 

Mein Fazit: Das Life-Work-Balance-Projekt ist eigentlich ein Fall für die Gleichstellungsstelle. Dumm nur, dass ich Single bin, für die Gleichstellungsstelle nicht gleich genug. Vielleicht wende ich mich gescheiter ans Behindertenpfarramt.

 

 


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