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Wilhelm Drühe

Dresdner Straße 13a, 40822 Mettmann

 

Ein Brief von Gott

 

Meine lieben Kinder auf der Erde!

 

Immer wenn bei euch auf der Erde etwas Furchtbares passiert, dann stellt ihr die Frage: Wo bist Du gewesen, Gott? Jetzt wieder in Winnenden nach dem schrecklichen Amoklauf in der Schule, vorher in Emsdetten und Erfurt. So habt ihr auch gefragt bei der Tsunami-Katastrophe in Südostasien oder bei dem Attentat auf die beiden Türme in New York. Und so fragt ihr auch bei den zahlreichen Verkehrunfällen unter euch. So fragte neulich auch eine Mutter, deren Sohn mit einem PKW gegen einen Baum gefahren war und starb. Immer wieder: Wo bist Du da gewesen, Gott?

 

Auf der einen Seite freue ich mich natürlich, wenn die Menschen auf der Erde nach mir fragen. Aber ich kenne auch den Spruch, den es unter euch gibt: Not lehrt beten! Dann gibt es Gottesdienste, häufig verbunden – mehr oder weniger offen – mit der Anklage gegen mich, den Gott im Himmel, der sich zu wenig oder überhaupt nicht um euch kümmert. Manchmal klingt es auch so, als wäre ich verantwortlich für das alles Schreckliche, was da unter Euch geschieht.

 

Ich werde nicht vergessen, dass auch ich als Gott gelitten habe, als mein Sohn unter euch auf der Erde drangsaliert und gequält worden ist, schließlich grausam auf Golgatha an einem Kreuz getötet wurde. Dabei war er völlig unschuldig! Da hat keiner gefragt, ob mir das weh tut.

 

Ich habe Verständnis für eure Trauer, nur solltet ihr daraus keine Vorwürfe und Anklagen gegen mich machen. Dafür habe ich kein Verständnis!

Ich meine, dass es mal wieder an der Zeit ist, das Verhältnisse zwischen mir und euch deutlich zu machen. Als ihr von mir geschaffen worden seid, auch während der langen Zeit, als ihr euch als Menschen bis in die Gegenwart entwickelt habt, erhieltet ihr von mir die Freiheit. Ihr könnt also tun und lassen, was ihr für richtig haltet. Diese Freiheit war mein größtes Geschenk an euch – und es zeichnet euch vor allen anderen Geschöpfen aus.

 

Ich stelle fest, dass ihr mit diesem höchsten Geschenk eigenartig umgeht. Ihr macht häufig, was ihr wollt, lasst Vieles zu – und macht mich dann verantwortlich für alles, was dann geschieht. Und wegen der Opfer macht ihr mir dann Vorwürfe. Das finde ich nicht richtig und ihr seid da auch nicht ehrlich im Umgang mit euch selbst!

 

Was habt ihr nicht alles unter euch angesammelt, was sehr schädlich ist und werden kann, je nachdem was man damit macht? Ich denke an die vielen Waffen, mit denen man andere Menschen umbringen kann. Ich habe auch kein Verständnis, dass Ihr daraus ein Spielzeug macht, damit ihr euch in ein derartiges Verhalten einüben und einleben könnt. Dass es schließlich Spaß macht!? Und wie geht ihr miteinander um – nach dem schlimmen Spruch, den es unter euch gibt: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, der über den anderen herfällt. Dabei sollte unter euch gelten, dass ihr einander gut sein, weil der andere wie Du bist. Hört also auf, diese Frage zu stellen, wo ich, euer Gott, bei den Unglücksfällen auf der Erde gewesen bin!

 

Diese Frage nach mir zu stellen, macht nur dann einen Sinn, wenn sie immer gestellt wird, denn ich bin immer für euch da! Und ihr bei allem Denken und Handeln mitbedenkt, dass ihr das vor mir denkt und tut. Ihr könnt mich nicht einerseits abschaffen, entsorgen und aus eurem Leben verbannen, mich dann aber andererseits als eine Art Lückenbüßer gelegentlich hervorholen – wenn es euch gerade mal passt oder ihr einen Sündenbock für euer Versagen sucht!

 

Wenn ihr eure Freiheit missbraucht oder den Missbrauch der Freiheit bei anderen zulasst, dann müsst ihr auch dafür gerade stehen. Dann tut auch nicht so, als wäre meine Liebe zu euch abgeschafft worden. Ich bin und bleibe der liebende Gott im Himmel, gleich was ihr auf der Erde treibt. Ihr solltet schon etwas ehrlicher mit eurer Freiheit umgehen – und nicht durch eure Fragen mich verantwortlich machen für das, was ihr zu verantworten habt! Hoffentlich habe ihr aus Winnenden gelernt, wie ihr euer Zusammenleben verantwortlich gestalten müsst, damit so etwas nicht mehr unter euch geschieht!

 

Euer liebender und mit euch leidender Gott im Himmel und auf Erden!

 


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